DOC on AIR - Erste Hilfe im Alltag

Notfallmedizin im Alltag

#90 - Gürtelrose

03.10.2026 14 min

Zusammenfassung & Show Notes

Mit dem Herpesvirus, das häufig Fieberblasen und in weiterer Folge Feuchtblattern und Gürtelrose hervorrufen kann, sind weltweit etwa 4 Milliarden Menschen infiziert.

Die Geschichte des Herpes reicht Millionen Jahre zurück, und Formen des Virus infizieren Arten von Fledermäusen bis hin zu Korallen. 

Das aufkommende Küssen in der Bronzezeit dürfte die weltweite Verbreitung des Herpes-Virus begünstigt haben. Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam unter der Leitung der University of Cambridge nach der Analyse von mehrere tausend Jahre alten DNA-Proben aus Zahnwurzeln. Der Virenstamm HSV-1 ist den Studienergebnissen zufolge vor etwa 5.000 Jahren entstanden.

Herpes Zoster oder Gürtelrose ist also eine Virusinfektion die durch das Varizella - Zoster-Virus verursacht wird – dasselbe Virus, das auch Windpocken auslöst. Meist erkranken Menschen über 50 Jahre .Es verbleibt nach einer Erstinfektion, also einer Windpocken-Erkrankung, wie alle Herpes-Viren lebenslang, versteckt in den Nervenzellen des betroffenen Menschen. 

Wenn das Immunsystem im Laufe des Lebens schwächer wird, kann das Virus wieder aktiv werden. Besonders ältere und immungeschwächte Menschen sind gefährdet, das Robert Koch Institut schätzt, dass  jedes Jahr 300.- bis 700.000 Menschen an Herpes Zoster erkranken. Die Zahl der krankenhauspflichtigen Herpes-Zoster-Patienten hat im Zeitraum von 2009 bis 2019 um 57 Prozent zugenommen.

Diese schmerzhafte Infektionskrankheit der Haut und der Nerven, die sich durch einen streifenförmigen, meist halbseitigen Bläschenausschlag äußert, ist mehr als nur ein Hautausschlag. 

Sie kann Nerven, Augen, Gefäße und innere Organe, das führt zu einem schmerzhaften Hautausschlag mit Bläschen. Der Ausschlag ist meist oft am Rumpf, gürtelförmig – daher der Name Gürtelrose.

Die beste Möglichkeit, sich vor Gürtelrose zu schützen, ist die Impfung. Der Impfstoff Shingrix® ist ein sogenannter Totimpfstoff, enthält also kein lebendes Virus.

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DOC-ON-AIR - Der Podcast für den Umgang mit medizinischen Notfällen im Alltag von Dr. Joachim Huber.

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Transkript

Doc on Air, der Podcast, der Ihnen hilft, richtig erste Hilfe zu leisten. Was tun, wenn jemand Hilfe schreit? Was tun, wenn zu Hause was passiert? Als erfahrener Notarzt zeige ich Ihnen, wie es geht. Unser Ziel, Wissen statt Angst und Können statt Zweifeln. Ein herzliches Grüß Gott, liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer. Heute berichte ich über die Gürtelrose. Mit dem Herpesvirus, das Fieberblasen und in weiterer Folge Feuchtblattern und Gürtelrose hervorrufen kann, sind weltweit etwa vier Milliarden Menschen infiziert. Die für die Gürtelhose typischen, brennenden, bohrenden, beschneidenden Schmerzen, entlang eines bestimmten Hautareals, wir Ärzte nennen das Dermatom, sind krankheitstypisch. Die oft schwankende Stärke der Beschwerden kann sich bereits Tage vor der Bläschenbildung bemerkbar machen. Auch Jucken und Berührungsüberempfindlichkeit in den betroffenen Hautbereichen sind häufige Begleiterscheinungen. Zusätzlich können Krankheitsgefühl, Fieber, Abgeschlagenheit, ungewöhnliche Müdigkeit auftreten. Nach ein bis zwei Tagen zeigen sich rote Flecken, später die kleinen, furchtbar juckenden Bläschen. Auch können die manchmal sehr stark schmerzen. Besonders unangenehm sind diese Bläschen, wenn sie im Gesicht, Auge oder Ohr auftreten. Wer ist nun besonders gefährdet? Alle Menschen ohne einen entsprechenden Windpockenschutz, sei es durch eine Impfung oder sei es durch eine stattgehabte Marizelleninfektion. Neugeborene Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollten immer jeglichen Kontakt mit der Bläschenflüssigkeit meiden. Das Risiko für eine Gürtelrose steigt ab dem 50. Lebensjahr deutlich an. Nicht nur, weil die Abwehrkräfte mit zunehmendem Alter nachlassen. Frauen sind übrigens häufiger betroffen als Männer. Auch körperliche, seelische Erschöpfungszustände. Bösartiger Stress, bestimmte Medikamente wie Cortison in hohen Dosierungen oder Erkrankungen wie die chronische Atemwegswiderstandserhöhung, die COPD, Krebsleiden, Diabetes, aber auch Menschen, die an HIV-Virus erkrankt sind, haben ein wesentlich höheres Risiko. Bei Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen sprechen wir von einem ca. Ein- bis zweimal höheren Risiko, eine Gürtelhose zu bekommen. Studien haben gezeigt, dass Menschen nach einer Covid-19-Infektion ein etwa 15% höheres Risiko haben, an einer Gürtelhose zu erkranken. Bei schwerem Verlauf oder Krankenhausaufenthalt steigt das Risiko weiter an. Viele Ausbrüche treten übrigens in den ersten Wochen nach der Covid-Infektion, oder im Zeitraum von drei bis sechs Monaten danach auf. Die Ursache ist, dass das SARS-CoV-2-Virus das Immunsystem, insbesondere die C-Zellenimmunität schwächt. Diese T-Zellen sind ein ganz wichtiger Schutz gegen Infektionen. Damit können natürlich ruhende Marizellenviren im Körper reaktiviert werden. Auch die gefürchtete ME-CFS, also die chronische Fatigue-Syndrom-Patienten, sind durch ihre gesamtgesundheitliche Beeinträchtigung häufiger Opfer einer Herpesvirenreaktivierung. Es besteht schon seit langem der Verdacht, dass Herpesviren an der Entstehung oder Verschlimmerung von ME-CFS mitbeteiligt sind. In den meisten Fällen heilt die Gürtelhose innerhalb von zwei bis vier Wochen ab. Ganz wichtig, schonen Sie sich bitte. Jede Überanstrengung schwächt das Immunsystem zusätzlich, verzögert die Genesung und kann das Risiko für Komplikationen erhöhen. Dazu gehören Entzündungen der Nerven, des Klierens oder Rückenmarks. Aber auch Augenentzündungen oder Begleitentzündungen in den Ohren sind sehr unangenehme Begleiterscheinungen. Besonders gefürchtet ist die sogenannte Post-Zooster-Neurologie. Damit beschreiben wir die Monate oder Jahre anhaltenden, sehr unangenehmen Nervenschmerzen. Noch ein Tipp, bitte die mit Flüssigkeit gefüllten Hautbläschen niemals aufkratzen oder öffnen. Das erhöht das Risiko für bakterielle Entzündungen, erhöht das Risiko, andere Menschen anzustecken und es können auch sehr, sehr lange und lästige Narben. Hinterbleiben. Was können wir tun? Schüttelmixturen, das sind Zinkpuder, Flüssigkeitsmischungen, oder zinkhaltige andere Puder können auf die Bläschen einer Gürtelruske gegeben werden, um den Juckreiz zu lindern, und langfristig die Flüssigkeit auszutrocknen. Tragen Sie Puder und Schüttelmixturen also nur auf, solange die Bläschen noch frisch oder nässend sind. Sobald Sie komplett verkrustet sind, sollten Sie eher eine fette, pflegende Hautcreme oder Salbe verwenden, um die Krusten sanft zu lösen. Auch hier gilt nicht dran herumkletzeln. Bitte nutzen Sie Handtücher, Waschlappen, auch Kleidungsstücke, Decken während der Infektionszeit nicht gemeinsam mit anderen Menschen im Haushalt. Und decken Sie bei sich selbst die betroffenen Hautbereiche immer ab. Nach Abheilung der Hauterscheinungen können, wie ich schon gesagt habe, die Nerven darauf geschädigt sein und dann haben wir eben das Risiko der Postzosterneurologie. Viele Betroffene beschreiben die Schmerzen an den Nerven als brennend, elektrisierend oder wie Feuer unter der Haut. Die Haut bleibt empfindlich und selbst Berührungen können schmerzhaft sein. Ca. ein Drittel aller Patienten sind davon betroffen, besonders ältere Menschen oder die Patienten, bei denen die Behandlung viel zu spät begonnen wurde. Nun, sehr selten, aber ich muss es doch erwähnen, varizielle Zosterviren können auch Entzündungen in Blutgefäßen verursachen und damit das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte steigern. Besonders in den ersten Monaten nach der Erkrankung. Studien zeigen, ein bis zu 70% erhöhtes Risiko in dieser Zeit fallen bei älteren Menschen. Was lernen wir daraus? Bei Verdacht auf Gürtelrose sollten Sie daher immer und ohne Zeitverlust einen Arzt aufsuchen, ihre Hausärztin aufsuchen, um eine gezielte Behandlung zu starten. Eine antivirale Therapie, zum Beispiel Virustatika wie Aziklovir oder Valaziklovir, wirkt am besten in den ersten Tagen. Die antivirale Behandlung sollte also möglichst innerhalb von 72 Stunden nach den ersten Alarmsymptomen auftreten beginnen. Diese Virostatiker stoppen die Vermehrung der Viren, verkürzen die Krankheitsdauer, und senken das Risiko für die Post-Roster-Neurologie ganz erheblich. Nehmen Sie bitte auch das nur mit Absprache, Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen. Bei starken Nervenschmerzen wird Ihre Hausärztin, Ihr Hausarztin dann ganz spezielle Medikamente verschreiben. Ganz allgemein begleitend helfen natürlich kühlende Umschlänge, Ruhe und Stressabbau. Auch das muss ich sagen, wenn die Verläufe schwer sind, dann ist es durchaus möglich, dass die Patienten im Krankenhaus landen. Die beste Möglichkeit, sich vor einer Gürtelrose zu schützen, ist eine Impfung. Der Impfstoff Shingrix besteht aus einem Virusprotein und einem Wirkverstärker, der die Immunantwort des Körpers ganz deutlich verbessert. Dadurch wird das gesamte Immunsystem gezielt aktiviert und kann damit das Virus, im Falle einer Reaktivierung, also eines Wiederaufblühens, schneller bekämpfen. Ich erinnere nochmal daran, eine frühe antivirale Behandlung innerhalb von drei Tagen kann den Verlauf deutlich milder. Diese Impfung besteht übrigens aus zwei Dosen, die im Abstand von zwei bis sechs Monaten gegeben werden. Bei Personen mit geschwächtem Immunsystem kann diese zweite Dosis schon nach ein bis zwei Monaten gegeben werden. Der Schutz ist lang anhaltend. Alle Studien beweisen eine Wirksamkeit von etwa 90 Prozent, sowohl gegen Gürtelrose als auch gegen die Postzosterneurologie. Der Impfstoff kann auch bei immungeschwächten Personen angewendet werden. Noch ein interessanter Aspekt. Mehrere internationale Studien weisen darauf hin, dass Menschen, die gegen Gürtelrose geimpft sind, seltener im Alter an Demenz erkranken. Das Risiko war bei Geimpften um etwa 20 bis 50 Prozent geringer als bei Ungeimpften. Soweit darf ich zusammenfassend sagen, Gürtelhose ist unzweifelhaft eine sehr schmerzhafte, sehr lästige Erkrankung. Ebenso unzweifelhaft muss man aber betonen, sie ist behandelbar. Also nicht daheim selber herumpfuschen, irgendwas ausprobieren, sondern zum Arzt gehen. Ja und ein letztes noch, die Herpes-Zoster-Infektion ist durch Schmier-Infektion ansteckend. Also es ist keine gute Idee, mit einer, akuten Gürtelhose oder mit akuten Fahrplatten in einen Reisebus, in ein Flugzeug oder ein anderes Massenmedienmenschenproduzierendes Gerät einzusteigen. Bleiben Sie zu Hause und werden Sie gesund. Alles Gute, Ihr Doc on Air.