#84 - Flugangst
11.07.2026 24 min
Zusammenfassung & Show Notes
Liebe doc-on-air Community, heute berichte ich, gemeinsam mit der sehr erfahrenen Psychologin Frau Mag Irene Rausch, über das Thema Flugangst.
Flugangst (Aviophobie) ist eine spezifische Angststörung, die sich durch Panik, Herzrasen und Kontrollverlust vor oder während des Fliegens äußert.
Ursachen: Auslöser sind häufig prägende negative Erlebnisse wie schwere Turbulenzen, aber auch mangelndes technisches Wissen, Stress im Alltag oder die Übernahme von Ängsten aus dem familiären Umfeld, das kann gemeinsam mit der räumlichen und den geänderten Druckverhältnissen an Bord zu Kontrollverlust, Höhenangst oder die Angst vor einem Absturz führen.
Symptome: typische körperliche und psychische Anzeichen sind: Herzrasen, Schweißausbrüche, Schwindel, flache Atmung, innere Unruhe, Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, klaustrophobische Gefühle (typisch für das Durcheinander von Alarmnerv und Ruhenerv).
Therapieansätze: Wissen aneignen, Verständnis für die Technik und die Funktionsweise von Flugzeugen nimmt vielen Ängsten die Grundlage, wie verhalte ich mich richtig bei Aviophobie? Entspannungstechniken, bewusstes, tiefes Ein- und Ausatmen, die richtige Platzwahl: z.B. bei Turbulenzen wackelt es in der Nähe der Tragflächen am wenigsten. Bei Höhenangst empfiehlt sich ein Sitzplatz am Gang.
Medikamentös: besser als Alkohol, Beruhigungsmittel oder „Antispeib-Medikamente“- Entspannungsübungen, autogenes Training, Akupressur, Ingwer, Kaugummi kauen, Fernpunkt suchen,
am besten Flugangstseminar-z.B. bei AUA, € 1.200 mit Linienflug inkl. MwSt. Kleine Gruppen mit persönlicher Betreuung.
Buch Empfehlung:
"Glücklich fliegen - wie auf Wolke 7", bewährte Tipps aus 25 Jahren Praxis zur Bewältigung von Flugangst, Morawa- oder Thalia- Verlag, € 25.00
Mag.a Irene Rausch
Klinische Psychologin, Gesundheitspsychologin
0699/14303438
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DOC-ON-AIR - Der Podcast für den Umgang mit medizinischen Notfällen im Alltag von Dr. Joachim Huber.
Weitere Informationen auf doc-on-air.com
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Das Gesicht zur Stimme unter www.drjoachimhuber.at
Bei Fragen oder Hinweisen zur aktuellen Folge schreibt mir gerne ein Email unter podcast@doc-on-air-com
#notfallmedizin #ersthilfe #teambuilding #alleswirdgut
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Meinen Kurs "autogenes Training" findet Ihr auf www.ohne-stress.com - mit dem Gutscheincode PODCAST20 um 20% günstiger!
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Transkript
Doc on Air, der Podcast, der Ihnen hilft, richtig erste Hilfe zu leisten.
Was tun, wenn jemand Hilfe schreit? Was tun, wenn zu Hause was passiert?
Als erfahrener Notarzt zeige ich Ihnen, wie es geht.
Unser Ziel, Wissen statt Angst und Können statt Zweifeln.
Ein herzliches Grüß Gott, sehr geehrte Zuhörerinnen, liebe Zuhörer.
Ich freue mich sehr, in meinem heutigen Podcast über Flugangst zu reden,
was das ist, was man dagegen tun kann.
Und es ist mir eine wirkliche Ehre, eine echte professionelle,
Superpsychologin hier bei mir zu haben, die,
sich mit diesem Thema nicht nur seit vielen Jahren auseinandersetzt,
sehr viel eigene Erfahrung auch in der Luftfahrt mitbringt, sondern auch ein Buch geschrieben hat.
Aber lassen wir sie doch selber erzählen. Ein herzliches Willkommen, liebe Irene.
Ja, ich freue mich. Danke für die Einladung.
Nun, wenn du vielleicht ganz kurz unseren Zuhörern schilderst,
Wie ist denn da dein Werdegang gewesen?
Wie kommst du zur Flugpsychologie und speziell zum Thema Flugangst?
Ja, das hat eine lange Vorgeschichte. Mein Vater war sehr flugbegeistert.
Also ich bin von Kindheit an eigentlich aufgewachsen mit dem Fliegen in irgendeiner Form.
Und nach meinem Psychologiestudium hat sich das so wunderbar ergeben,
dass ich dann in die Luftfahrtbranche reingekommen bin, in verschiedensten Tätigkeiten,
unter anderem auch für die Behandlung von Flugangst, die ich jetzt schon seit
vielen Jahren, Jahrzehnten auch begleiten darf, Betroffene.
Und ja, ich bin auch mit einem Piloten verheiratet. Das heißt,
das Fliegen schon sehr lange, also schon als junges Mädchen.
Damals war ich auch ganz kurz als Flugbegleiterin beschäftigt mit 18 Jahren,
aber nur wirklich noch vor dem Studium.
Das heißt, das Fliegen begleitet mich eigentlich schon mein ganzes Leben und
dadurch ergibt das auch sehr gut mit der Flugangstbehandlung.
Nun, viele unserer Zuhörer,
Meinen natürlich, Flugangst sei irgendetwas, was die anderen betrifft, wie so oft im Leben.
Und wenn es wirklich mal der Fall ist, also mit Sicherheit keine Krankheit ist,
wie Bluthochdruck, Zucker oder sonstige Stoffwechselprobleme.
Aber, das wissen wir, doch eine recht beträchtliche, die Lebensqualität reduzierende
Störung, wo einem das Reisende nicht mehr Spaß macht.
Wie siehst du denn den Begriff Flugangst aus deiner fachpsychologischen Sicht?
Ja, also es gibt verschiedene Definitionen, aber ganz pragmatisch einfach gesagt,
das ist eine unangemessene Furcht vor dem Fliegen,
wobei die Bandbreite der Betroffenheit der Reaktionen sehr weit gefächert ist.
Also es fängt schon an bei leichten Unbehagen, geht hin bis wirklich tatsächlich
zu Panikattacken und in dem Spektrum.
Ist alles vertreten und es leiden auch sehr, sehr viele darunter.
Also so ein Drittel bis 50 Prozent aller Passagiere, kann man sagen,
fühlen sich nicht wohl und es geht auch quer durch alle Berufsgruppen,
Bevölkerungsgruppen, Altersgruppen, auch Prominente sind davon betroffen,
Schauspielerinnen, Autorennfahrer, Prinzessinnen.
Also es kann wirklich jeden betreffen und daher ist es schon gut,
wenn man ein bisschen darüber Bescheid weiß, was man dagegen unternehmen kann.
Ein sehr interessanter Aspekt, den ich noch aus meiner Zeit als verantwortlicher
Offizier beim Bundesheer, verantwortlich für die Luftfahrtmedizin, kenne.
Ungefähr 10 Prozent aller Pilotenanwärter haben ebenfalls das Problem mit einer,
wie man so schön sagt, Motion Sickness, also einer bewegungsabhängigen Krankheit.
Und das liegt einfach daran, dass unser Gehirn halt nicht dafür programmiert
ist, in der Luft sich dreidimensional zu bewegen.
Das heißt, ab dem Moment, wo verschiedene Signale vom Gleichgewichtsorgan, vom
Auge, von den Augen, vom Gehör, von den gefühlten Empfindungen,
sieht sich gerade, sieht sich vorgebeugt, wo ist oben, wo ist unten,
wenn diese Mischkulanz nicht stimmt,
dann reagiert der Körper,
mit richtig Alarm.
Und wenn immer der Körper mit Alarm reagiert, sagt der Ruhenerv,
na Moment, Moment, Moment, es ist ja kein Krieg, komm wieder gemütlich runter.
Und dieses Hin und Her führt dazu, dass man Herzrasen kriegt,
dass man Schweißausbrüche hat, dass man anfängt zu zittern,
dass man Probleme hat, sich zu konzentrieren, bis hin eben, wie die Irene gerade
gesagt hat, zu einer echten Panikattacke. und.
Daher gilt es, dieses Problem rechtzeitig zu erkennen.
Eltern merken das zum Beispiel, wenn Kinder beim Autofahren immer wieder Probleme haben.
Oder wenn sie nicht gerne schaukeln, weil ab dem Moment, wo diese Schaukel ein
bisschen zu heftig aus der Ruheposition in die Höhe geht, fühlen sie sich nicht mehr wohl.
Dann müsste man hier rechtzeitig, aber nicht mit einem Medikament,
sondern mit einer von der Irene noch zu erklärenden anderen Vorgangsweise gegenrudern.
Also, großes Problem, Angst vor Höhe, Angst vor Kontrollverlust, eigentlich eben Angst.
Und was gibt es jetzt aus deiner Sicht hier an therapeutischen Möglichkeiten, die,
ich sage es mal ganz einfach, auch ohne großen Aufwand und Zusatzversicherung
und anderen Hokuspokus den Patienten empfohlen werden können?
Ja, es gibt glücklicherweise eine ganz breite Palette von Möglichkeiten,
um die Flugangst gut in den Griff zu bekommen, so auch wie andere Angstthemen,
die ja oft mit begleitend auch einhergehen.
Also was die Ursachen betrifft, ist bei der Flugangst eben sicher immer auch ein bisschen
Diese Angst vor dem Kontrollverlust, die mit einhergeht, die gerade beim Fliegen
stark ausgeprägt sein kann, dadurch auch die Risikowahrnehmung verzerrt wird.
Man glaubt dann vermeintlich, das Fliegen ist gefährlich.
Im Gegensatz zum Beispiel zu anderen Verkehrsmitteln, Autofahren dabei,
ist es tatsächlich gerade umgekehrt, weil man zum Beispiel gerade beim Auto,
wenn man selbst das Lenkrad in der Hand hat, vermeintlich das Gefühl hat, man hat Kontrolle.
Dadurch wird das Risiko als unbedenklich oder wenig vorhanden eingeschätzt.
Also das spielt schon eine Rolle, eben auch andere Angstthemen.
Du hast es schon angesprochen, Höhe, Enge, all diese Dinge.
Und dann natürlich auch so diese flugspezifischen Begleiterscheinungen wie zum
Beispiel Turbulenzen, die machen vielen Passagieren Sorge.
Und da beginnt man damit an der Basis sozusagen ein bisschen flugspezifisches
Hintergrundwissen den Betroffenen zu vermitteln.
Um eben diese Dinge einordnen zu können, um sich nicht vom Wetter abhängig zu machen.
Denn ich kenne viele Betroffene, die mir dann sagen, sie schauen schon drei
Tage vorher das Wetter an und wird es hoffentlich gut am Flugtag und all das
sind Dinge, also da sollte man schon ein bisschen informiert sein,
damit man entspannter damit umgehen kann.
Und sonst zielen alle Bewältigungsstrategien eben auch Hilfsangebote darauf
ab, dass man hilfreiche Bewältigungsstrategien vermittelt,
Mit deren Hilfe man dann in der Lage ist, diese Ängste gut bewältigen zu können.
Und da setzt man eigentlich auf den verschiedenen Ebenen an,
wo die Angst ja auch spürbar ist, also auf der körperlichen Ebene,
aber auch auf der Ebene des Verhaltens, weil viele verhalten sich,
was zwar verständlich ist, aber ganz falsch.
Also erstens einmal wird dann gerne vermieden, wenn es irgendwie geht,
dass man vielleicht gar nicht mehr fliegt oder angstbesetzte Situationen vermeidet.
Das führt aber immer dazu, dass der Berg der Angst dann höher wird und es weitet sich auch oft aus.
Also wenn man zum Beispiel sagt, naja, es ist ja Italien und Kroatien auch schön,
man muss ja nicht irgendwo hinfliegen, Was aus Umweltgründen ja durchaus ein
guter Ansatz wäre, aber nicht aus Grund der Flugangst.
Weil man merkt dann irgendwann, dann fühlt man sich vielleicht auch in einer
Gondel nicht mehr so wohl oder in einem Tunnel auf der Autobahn oder wo auch
immer. Also die Ängste sind sehr perfid, die weiten sich oft auch aus.
Ganz ein wichtiger Punkt.
Dass eben Flugangst nicht irgendein einzelner, ganz seltener
und nur irgendwelche komischen Leute betreffender Punkt ist,
sondern dass das sehr, sehr viele auch miteinander verknüpfte,
unterbewusste Ängste sind.
Und das Thema von meinem Podcast lautet ja Wissen statt Angst, können statt Zweifeln.
Also was passiert denn eigentlich beim Fliegen? Erstens einmal,
das ist richtig, die Beschleunigungskräfte sind teilweise doch innerhalb der
1,5- bis 2-fachen Erdbeschleunigung.
G nennt man das.
Aber nur zum Trost beim Autofahren. Wenn ihr ein bisschen ein moderneres Elektroauto
habt mit BPS, kommt ihr auch auf 2- bis 3G-Beschleunigung.
Zweitens, es ist richtig, die diversen Vibrationen, die diversen Veränderungen
durch das Fliegen in der Höhe, aber natürlich auch die Flugphysiologie
mit etwas reduzierter Sauerstoff, Sättigung an Bord eines Flugzeuges,
spielen ebenso eine Rolle wie eben das Eingezwicktsein mit vielen,
vielen anderen Menschen
und damit das Gefühl zu haben, Irene hat das mit dem Lenkrad sehr schön erklärt, nichts tun zu können.
Das ist der eine Punkt, das kann man also sich zum Teil selber aneignen.
Gescheiter ist natürlich, man besucht ein Flugangstseminar, wenn man dann das
Ganze in der direkten Form selber ergreifen, begreifen, angreifen kann.
Das heißt, man lernt dann wirklich auch zum Teil in Flugzeugmodellen, was Sache ist.
Nun, zur psychologischen Seite. Was ist aus deiner Sicht das Wichtigste,
um diese unterbewussten Ängste zu gehen?
In den Griff zu bekommen.
Ja, also auf jeden Fall sich diese Ebenen, auf denen die Ängste sich zeigen,
bewusst zu machen, das ist zum einen die körperliche Ebene.
Und da kann man zum Beispiel sehr gut ansetzen mit einer ruhigen Atmung,
Bauchatmung, geht in kurzer Zeit, dass man
den Körper, beziehungsweise in dem Fall auch das vegetative Nervensystem,
wieder zur Ruhe bringt oder mit kurzen Entspannungsübungen oder auch mit Bewegung.
Also es ist immer günstig im Vorfeld von einer angstbesetzten Situation ein
bisschen ganz bewusst vielleicht Bewegungseinheiten einzubauen,
um die Stresshormone wieder zu reduzieren. Das Adrenalin kann man auch am Flughafen wunderbar.
Es ist überhaupt gut zu wissen, dass auch Stress und Angst in hohem Zusammenhang stehen.
Das heißt, wenn man im Vorfeld schon ganz bewusst einplanen kann,
dass man vielleicht nicht direkt jetzt vom letzten Arbeitstag ins Flugzeug hüpft,
sondern das Ganze ein bisschen ruhiger angeht und
dann auch vielleicht rechtzeitig mit einer Stunde Zeit Puffer auch zum Flughafen fährt,
nicht so mit dem Aspekt, den manche haben, naja, lieber schnell vorbei haben
am Flughafen, dass man die Atmosphäre gar nicht
so miterleben braucht, sondern nein, wirklich diese Stunde dann auch nützen,
um eben Atemübungen zu machen, um viel zu Fuß zu gehen,
dann auch schauen, dass man aktivierende Substanzen zum Beispiel vermeidet,
Kaffee oder alles Koffeinhaltige.
Und dann auch auf der Ebene des Verhaltens, also zum Beispiel Hälfte,
Und viele nehmen ja dann auch oft, was ja auch durchaus verständlich ist,
Beruhigungsmedikamente, Alkohol.
Es ist alles kontraproduktiv, vor allem auch langfristig. Also wenn man kurzfristig
sagt, ich fliege einmal im Leben, ich halte das nicht aus und irgendwas nehmen
würde, ja gut, abgesehen jetzt von den Nebenwirkungen, die da entstehen können.
Aber langfristig hat es dann noch diese unnette Eigenschaft,
dass dem Gehirn wird ja immer wieder signalisiert, Hocker, ich brauche eine
Substanz, um eine Situation bewältigen zu können.
Das heißt, es werden dadurch die eigenen Selbstbewältigungsfähigkeiten massiv
dadurch reduziert, sinken immer mehr, man traut sich dann immer weniger zu,
diese Situation zu bewältigen.
Also das wäre falsches Verhalten. Deswegen ist es wichtig, einmal informiert
zu werden, wie soll ich mich richtig verhalten, nämlich im Sinn von die Angst
einmal ablaufen lassen.
Natürlich das unterstützen mit einer guten Atmung, auch durchaus mit Beschäftigung.
Man muss jetzt nicht sich nur auf die Angst konzentrieren, aber man soll sich
auch nicht so wehren, weil alles, wogegen man sich so krampfhaft wehrt, wird dann noch stärker.
Also am besten ablaufen lassen, irgendetwas machen, was man sonst gerne macht,
vielleicht Musik hören, einen Film schauen, eine schöne Vorstellung hervorrufen.
Also da gibt es eine breite Möglichkeit.
Und dann last but not least auf jeden Fall die Gedanken in den Griff bekommen.
Also Gedankenkontrolle ist eigentlich so wirklich wichtig.
Ja, eine ganz, ganz wichtige Strategie, das gilt es natürlich zu üben.
Also ich gebe ja in meinem Buch immer gern so ein Werkzeugköfferchen mit oder
auch allen, die zu mir kommen,
mit einer breiten Möglichkeit von Tools, von Werkzeugen, die man am besten vorher
natürlich erprobt und dann das auch in der Situation dann anwenden kann.
Du hast ganz richtig etwas ganz, ganz wichtiges.
Wesentliches gesagt, alle Beruhigungsmittel, egal ob das jetzt das berühmte
Diazepam, Valium, Psychopax, wie immer es heißt,
oder andere Sedativa sind, greifen im Großhirn ein ganz wichtiges Zentrum an,
beruhigen, das ist schon richtig, aber sie legen dieses System auch quasi lahm.
Das heißt, jegliche diesbezügliche Therapie ist quasi wie ein Sonnenbrand auf
der Haut und summiert sich mit jedem Mal mehr so ein Valium.
Ich meine ja eh nur fünf Tropfen, Herr Doktor, oder ich trinke ja eh bloß zwei
Schnapserln, Herr Doktor.
Merkt sich das das Gehirn und verliert die Eigenschaft, Gegenstrategien anzuwenden.
Und deshalb ist es so wichtig, dass wir das, was wir jetzt gerade gehört haben,
in kleinen Schritten vorher üben.
Wenn ich erst am Flugplatz kurz vorher einsteige, beginne mit autogenem Training
oder einer anderen Entspannungsübung, wird mir das nicht gelingen.
Sie können das gern vergleichen mit der Mensch, der Rechtshänder ist und jetzt einen
Gipsarm hat und muss auf links schreiben lernen, so lange wie der braucht,
bis er mit der linken Hand häufig schreiben kann, nicht Schönschrift,
so lange braucht ihr Gehirn, um
autogenes Training, andere Entspannungsübungen, sich auf.
Abrufbereitschaft sozusagen anzueignen.
Ein ganz wichtiger Punkt, also rechtzeitig sich darauf einstellen und sich nicht
narrisch machen lassen.
Auch das, danke für dieses wichtige Argument.
Nicht schon Stunden vorher überlegen, keine Berichte hören, schaltet einfach
den Fernseher ab, wenn Sie irgendwelchen Topfen bringen, wie viele Flugzeuge
verunglücken, fliegen ist das sicherste, was es überhaupt auf der Welt gibt.
Nun, eine Frage noch, die sicher auch alle Zuhörerinnen und Zuhörer interessiert.
Was tue ich denn jetzt? Jetzt bin ich im Flugzeug, habe mich gut vorbereitet,
habe keinen Alkohol getrunken, habe auch kein Chili con Carne gegessen,
dass mein Bauch gebläht ist
und jetzt merke ich aber schon, bist du deppert, wohlfühlen tue ich mich nicht.
Was empfiehlt die Fachfrau diesen Menschen in der Situation?
Der Kapitän sagt schon, wir sind klar zum Start, die Flugbegleiterinnen setzen
sich hin, schnallen sich an, die Triewerke heulen und das Muffensausen wird
immer größer. Was empfiehlt die Fachfrau?
Ja, meistens weiß man das ja schon im Vorfeld, dass man sich wahrscheinlich
nicht so ganz entspannt fühlt beim Fliegen und von daher ist es gut,
sich schon ein bisschen darauf vorzubereiten, wie gesagt, mit dem,
was ich jetzt gerade schon empfohlen habe, Stress zu vermeiden,
nichts Koffeinhaltiges, weil das ja alles noch zusätzlich den Organismus in Unruhe bringt.
Also wenn man schon da ein bisschen diese Erwartungsangst in der Form reduziert,
dass das Nervensystem schon ein bisschen beruhigter ist, aber natürlich ist
davon auszugehen, dass man auch im Flugzeug, wie du jetzt gerade gesagt hast,
dann spürt diese klassischen Angstsignale, das Herzrasen,
die Luft, glaubt es, man kriegt keine Luft, also da ist es
Am besten wirklich, ich spreche gerne so auch von einer Zauberatmung,
die Atmung ist ein ganz praktikables, einfaches Mittel in wenigen Minuten,
wenn man sich vorstellt, zum Beispiel man atmet
in den Bauch hinein, dass man einen Luftballon aufbläst
und dann noch länger ausatmen, wo die ganze Luft dann wieder ausgeatmet wird.
Also ganz bewusst, der Luftballon
Wird jetzt wieder ausgelassen, die ganze Luft, und das ein paar Minuten lang macht.
Ich gehe manchmal darüber hinaus in meinen Empfehlungen und empfehle dann so
eine Lachatmung. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen komisch,
aber man weiß zum Beispiel, dass auch Lachen und Angst nicht kompatibel sind.
Also wenn man atmet und dazwischen eine Minute atmen und dann zum Beispiel eine
Minute ein Lächeln aufsetzen, ein Grinsen, dem Gehirn wird signalisiert,
es geht einem eh gut, auch wenn es überhaupt nicht stimmt.
Das wäre zum Beispiel auch eine Möglichkeit. Und das jetzt wirklich sagen,
das mache ich jetzt 10, 15 Minuten.
Also es wird dann immer schwieriger, diese Angst zu empfinden.
Und plus dann eben, da gibt es viele Möglichkeiten, die ich eben alle im Buch
auch mitgebe, Gedankenstopp zum Beispiel.
Wie heißt denn das Buch?
Das Buch heißt Glücklich fliegen, wie auf Wolke sieben. Und da steht es sehr
viel drinnen, auch von diesen gedanklichen Techniken, wie man die Gedanken wieder
in den Griff bekommen hat.
Und wo kriegt man das Buch?
In jeder Buchhandlung kann man es bestellen.
Glücklich fliegen.
Glücklich fliegen, wie auf Wolke sieben. Da stehen wirklich so die ganzen Essenzen
meiner jahrzehntelangen Behandlungen drinnen, plus auch Informationen von einem
Piloten, damit man eben auch da ist.
Jeder hat irgendwo andere Bedenken. Die einen haben eben wieder so die Bedenken,
im Flugzeug könnte das geschehen.
Die anderen wieder, sie kommen da nicht raus, kriegen zu wenig Luft.
Also es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten. Und es ist wichtig,
dass man für jede Möglichkeit gleich,
ich gebe auch Checklisten da drinnen mit, so wie die Piloten auch Checklisten
haben, dass man sich schon vorbereitet
und wirklich sagt so, also wenn jetzt wieder diese Ängste kommen,
die man ja meistens kennt, dann habe ich hier Punkt 1, 2, 3 und das ziehe ich
dann raus sozusagen meiner Checklist und das verwende ich, um
mich da, ja, um diese Angstgefühle eben dann wieder in den Griff zu bekommen.
Als Arzt darf ich ja auch noch den einen oder anderen kleinen Tipp gegeben.
Einer, den Sie alle vielleicht schon mal gesehen haben.
Viele Menschen kauen, kauen beruhigt. Das wissen wir alle, wenn das Babylein
schreit und die Mutter gibt ihm die Brust und das Putzilein saugt daran,
schmatzt und kaut, ist es schneller ruhig.
Man hat gelernt, leider wieder in den Kriegen, dass Soldaten,
die Kaugummi kauen, weniger unruhig, weniger nervös sind.
Also trauen Sie sich ruhiger, ein Kaugummi zu nehmen. Für alle,
die schon dritte falsche Zähne haben, Aber es gibt auch solche, die nicht kleben.
Ein weiterer Punkt ist ebenfalls ganz simpel die Akkupressur.
Wenn Sie Ihre Hand so nehmen, dass die Handfläche nach oben zeigt,
dann sehen Sie beim Handgelenk zwei,
starke Sehnen und zwei Zentimeter von der Handwurzel Richtung Ellbogen auf der
Innenseite ist der berühmte,
Naikuan-Punkt.
Den kann man mit Akkupressur aktivieren.
Und einen Trick verrate ich euch noch, den habe ich vor Jahrzehnten von einer
Flugbegleiterin gehört, die hat gesagt, wenn immer Flugangst kommt, macht folgendes.
Nehmt eure Zehen, wie wenn ihr euch festkrallen müsstet, und konzentriert euch
ganz fest, dass die Zehen wie die Hände, sozusagen als Klammeraffen ähnlich, sich im Schuh anhalten.
Dann wird sie sehen, dann geht es gleich vorüber.
Die Atmung, verschiedene andere kleine Tricks und bitte, bitte, bitte, alle diese,
Antispeibmittel, wurscht wie sie heißen, ich will auch keine Namen nennen,
haben leider Gottes Nebenwirkungen und machen langfristig gesehen abhängig.
Also gescheiter Flugangstseminar, noch gescheiter sich rechtzeitig einlesen Und,
wenn Sie Fragen haben, wenn irgendwas noch unklar ist, freue ich mich sehr über euer E-Mail und,
bedanke mich damit ganz herzlich für eure Aufmerksamkeit,
und wünsche einen wunderschönen Urlaub und ein angstfreies, vergnügtes Fliegen.
Herzlich, euer Joachim.
Mag.a Irene Rausch
00:01:13
Dr. Joachim Huber
00:01:17
Mag.a Irene Rausch
00:01:30
Dr. Joachim Huber
00:02:24
Mag.a Irene Rausch
00:03:05
Dr. Joachim Huber
00:03:59
Mag.a Irene Rausch
00:06:34
Dr. Joachim Huber
00:09:33
Mag.a Irene Rausch
00:11:36
Dr. Joachim Huber
00:15:14
Mag.a Irene Rausch
00:18:02
Dr. Joachim Huber
00:19:59
Mag.a Irene Rausch
00:20:00
Dr. Joachim Huber
00:20:11
Mag.a Irene Rausch
00:20:13
Dr. Joachim Huber
00:20:16
Mag.a Irene Rausch
00:20:17
Dr. Joachim Huber
00:21:13