DOC on AIR - Erste Hilfe im Alltag

Notfallmedizin im Alltag

#82 - Frauenherzen schlagen anders

13.06.2026 25 min

Zusammenfassung & Show Notes

Heute berichte ich über das Thema Herzgesundheit-Gender-Aspekte in der Kardiologie.
Motiviert von der großartigen Kollegin und Herzspezialistin, Frau Dr. Karin Hawlisch-Höfferl, Mitorganisatorin des diesjährigen „Aktionstags Gesundheit" oder „Go Red for Women“, möchte ich meine Podcast Fans zur aktiven Herzgesundheit-Vorsorge motivieren.
Dieser Aktionstag– oft unter dem Motto „Frauenherzen schlagen anders“ – findet jährlich am ersten Freitag im Februar statt, eines der Ziele ist eine geschlechtersensible Medizin. 
Kardiologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen betreffen Symptome, Gefäßerkrankungen und Medikamentenwirkung. 
Frauenherzen sind kleiner, der Ruhepuls ist im Schnitt mit ca. 70 Schläge/Min.) im Vergleich zum männlichen (ca. 60/Min.)schneller.
Frauenherzen weisen häufiger Erkrankungen der kleinen Gefäße auf, während Männer oft lokal begrenzte Verengungen haben. 
Risikofaktoren wie Diabetes, Rauchen und Bluthochdruck wirken sich bei Frauen oft gravierender auf das Herzinfarktrisiko aus als bei Männern. Bei Frauen kann eine akute Herzmuskelschwäche. auch durch emotionalen Stress ausgelöst werden (Broken-Heart-Syndrom).
Frauen zeigen bei Herzinfarkten öfter atypische Symptome, sie berichten häufiger Symptome wie Atemnot, Schmerzen im Oberbauch oder Rücken, Übelkeit und Erbrechen,  was die Diagnose verzögert.
Bei Frauen werden Herzinfarkte leider meist später diagnostiziert und behandelt, was die Überlebenschancen verringern kann. Zudem nehmen Frauen seltener an Rehabilitationsmaßnahmen teil.
Frauen leiden auch häufiger unter Medikamenten-Nebenwirkungen, da Dosierungen in Studien oft primär an Männern getestet wurden. 
Gerade bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann die Vorsorgemedizin unsere Lebensqualität verbessern. Werden Risikofaktoren früh erkannt und entsprechend behandelt, treten Herz-Kreislauf-Erkrankungen oft später im Leben oder gar nicht auf.


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DOC-ON-AIR - Der Podcast für den Umgang mit medizinischen Notfällen im Alltag von Dr. Joachim Huber.

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Transkript

Doc on Air, der Podcast, der Ihnen hilft, richtig erste Hilfe zu leisten. Was tun, wenn jemand Hilfe schreit? Was tun, wenn zu Hause was passiert? Als erfahrener Notarzt zeige ich Ihnen, wie es geht. Unser Ziel, Wissen statt Angst und Können statt Zweifel. Ein herzliches Grüß Gott, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, hochverehrte Podcast-Community. Heute berichte ich über das Thema Herzgesundheit, Gender-Aspekte in der Kardiologie. Motiviert von der großartigen Kollegin und Herzspezialistin Frau Dr. Kar in Hawlisch-Höfferl, Mitorganisatorin des diesjährigen Aktionstags Gesundheit oder Go Red for Women, möchte ich meinen Podcast-Fans zur Aktivnetz-Gesundheitsvorsorge motivieren. Kardiologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen betreffen Symptome, Gefäßerkrankungen, aber auch Medikamentenwirkung. Insgesamt viele Fragen, elf davon stellen wir der Wissenschaft. Erstens, sterben mehr Frauen als Männer an Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Laut der Todesursachen-Statistik von 2024 sind in Österreich knapp 31.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestorben. Davon waren etwa 48% Männer und 51% Frauen. Trotzdem wird das noch viel zu oft anders wahrgenommen. Eine große Umfrage bei deutschen Frauen wollte wissen, ob Frauen oder Männer ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Etwa drei Viertel der Befragten vermuteten, dass Männer das höhere Risiko hätten. Dann wurde gefragt, was ist die Haupttodesursache von Frauen in Deutschland. Da kam eindeutig als Antwort Krebs. Tatsächlich ist es aber bei beiden Fragen umgekehrt. Frauen haben ein deutlich höheres Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln. Dafür sterben mehr Männer als Frauen an Krebs. Diese falsche Wahrnehmung führt auch dazu, dass Frauen ihr Herzrisiko unterschätzen. Das wiederum hat oft die Folge, dass Vorsorgeuntersuchungen nicht wahrgenommen oder Symptome falsch gedeutet werden. Eine verordnete Therapie wird oft auch nicht konsequent umgesetzt. 2. Kann ein erhöhter Taillenumfang Hinweis auf eine Herzschwäche sein? Faktum ist, ein Taillenumfang bis 80 cm bei Frauen und unter 94 cm bei Männern gilt als unbedenklich. Ab einem Teil im Umfang von 88 cm tragen Frauen aber bereits ein hohes Risiko für Herzkreislauf und letztlich auch für Stoffwechselerkrankungen. Bei abweichenden Messungen sollten besonders die Frauen zu völlig schmerzfreien Herzuntersuchungen an eine kardiologische Praxis überwiesen werden. Übrigens, laut Studien gilt ein Bauchumfang von mehr als 88 cm eindeutig auch als Übergewicht, unabhängig von dem sogenannten Body Mass Index. Gerade Frauen mit viel Bauchfett sind gefährdet, eine diastolische Herzschwäche zu entwickeln. Das bedeutet, das Herz pumpt zwar noch kräftig, die Dehnbarkeit des Herzens ist aber so stark eingeschränkt, dass trotzdem nicht ausreichend Blut durch den Körper transportiert werden kann und das Herz viel früher erschöpft wird. Die dritte Frage ist die Übergewicht, daher für Frauen besonders gefährlich. Bei der sogenannten Framingham Heart Study wurde die Bevölkerung der amerikanischen Stadt Framingham seit 1948 immer wieder systematisch untersucht. Es geht auch heute darum herauszufinden, welche Risikofaktoren das Entstehen einer sogenannten KHK, also koronaren Herzkrankheit und Atherosklerose, besonders stark begünstigen. Dafür werden die Menschen mittlerweile in der dritten Generation systematisch untersucht. Rauchergewohnheiten, wie hoch sind Cholesterin, Blutdruck, Blutzuckerwerte, wie hoch ist der Körperfettanteil. Dabei zeigt sich das Risiko für eine KHK bei Männern mit Übergewicht um 46%, Bei Frauen sogar um 64% erhöht. Das bedeutet, für Frauen ist es noch viel wichtiger, für die Herzgesundheit ein Übergewicht bzw. Einen Überhang an Körperfett zu vermeiden. Vierte Frage. Kann eine Fehlgeburt spätere Schlaganfälle ankündigen? Auch hier leider Gottes Ja. Ja, wiederholte Fehlgeburten sind ein Hinweis auf ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Internationale Studien zeigen, dass Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten haben, ein ca. 11% höheres Risiko für einen Gott sei Dank nicht tödlichen Schlaganfall haben. Schwangerschaftskomplikationen wie die sogenannte Präeklampsie, das ist ein sehr gefährlicher Blutunganstieg, scheinen ebenfalls das Langzeitrisiko für eine koronare Herzkrankheit zu erhöhen. Auch Unfruchtbarkeit ist mit einem erhöhten Risiko von 14% für Schlaganfälle verbunden. In Deutschland und Österreich sterben übrigens mehr Frauen an einem Schlaganfall als Männer. Mögliche Ursachen sind auch hormonelle Schwankungen und Stressreaktionen, die auf die weiblichen Gefäße besonders stark wirken. Besteht bei Frauen im Wechsel ein höheres Risiko für eine KAK? Typische Warnsignale wie Leistungseinbuße, Wassereinlagerungen, Herzstolpern, Belastungsatmnot werden bei Frauen nach dem Eintritt in die Wechseljahre immer noch sehr häufig fälschlicherweise als Alterserscheinungen oder Wechselbeschwerden bezeichnet. Dabei wäre es sehr hilfreich, wenn Hausärztinnen und Hausärzte den Teilenumfang und die sogenannte Pulswellengeschwindigkeit ihrer Patientin messen würden. Diese Pulswellengeschwindigkeit ist ein direkter Indikator für die Gefäßelastizität oder Steifigkeit. Sechste Frage. Haben Frauen durch Bluthochdruck ein höheres Risiko für Organschäden? Auch hier zeigen Studien, dass Frauen ein größeres Risiko haben, dass Gefäße und innere Organe durch ein hohes Blutdruckproblem Schaden nehmen. Frauen haben lange Zeit ihres Lebens niedrigere Blutdruckwerte als Männer. Während diese schon häufig vor dem 60. Lebensjahr einen Bluthochdruck entwickeln, betrifft das Frauen meist erst ab einem Alter von 65 aufwärts. Als Folge ihres Bluthochdrucks bekommen aber Frauen häufiger eine Herzschwäche und, wie schon erwähnt, erleiden auch häufig einen Schlaganfall. Umso wichtiger ist es daher, dass auch Frauen einen höheren Blutdruck rechtzeitig behandelt bekommen und auch mit Sport- und Lifestyle-Änderungen eine Normalisierung anstreben. Siebte Frage, wirken Herzmedikamente bei Frauen anders als bei Männern? Leider werden weltweit die Einnahmeempfehlungen von Medikamenten in der Regel immer noch nach Untersuchungen an männlichen Testpersonen erarbeitet. Das ist ein sehr ernstes Problem, denn Frauen sind nun mal keine kleinen Männer. Ihr Stoffwechsel ist anders. Auch die Magen-Darn-Passage unterscheidet sich ganz wesentlich. Sie dauert bei Männern circa zwei bis vier Stunden, bei Frauen bis zu zwei Tagen. Daher sind die Medikamentenwirkungen bei Männern wesentlich kürzer als bei Frauen. Der weibliche Körper hat auch einen höheren Fettanteil und baut daher Wirkstoffe langsamer ab. Die Konzentration vieler Medikamente ist daher bei Frauen im Blut oft höher. Eine häufige Folge, es zeigen sich Probleme mit der Medikamentenverträglichkeit. Als Beispiel nenne ich die sogenannten ACE-Hämmer, zum Beispiel Ramipril, Enalapril. Sie verursachen bei Frauen deutlich öfters als bei Männern Nebenwirkungen, doppelt so oft Reizhusten, sehr oft Hautausschläge und auch Geschmacksstörungen. Bestimmte Blutdrucksenker, sogenannte Calcium-Antagonisten, wie z.B. Amlodipin, Verapamil, führen bei Frauen im Vergleich zu Männern häufiger zu Beinödemen. Verschiedene Studien legen auch nahe, dass die meisten Dosierungsempfehlungen für Frauen zu hoch sind. Auch hier nenne ich ein Beispiel den Beta-Blocker. Sie werden bei Bluthochdruck, Herzschwäche, aber auch bei Herzrhythmusstörungen verschrieben. Hier kommen Frauen häufig mit einer niedrigeren Dosis aus, als es die Leitlinien empfehlen. Über mathematische Modellierungen konnten amerikanische Kollegen beispielsweise zeigen, dass 50 mg Metoprolol, also ein Beta-Blocker, bei Frauen die gleiche Wirkung erzielen wie 100 mg bei Männern. Deshalb ist eine gendergerechte Dosisanpassung bei den Medikamenten dringend notwendig. Achte Frage. Schadet Stress dem weiblichen Herzen mehr als dem Herzen der Männer? Besonders lange anhaltende, nicht lösbare seelische Belastungen lassen bei uns allen den Stresshormonspiegel im Blut ansteigen. Das kann dann schon dazu führen, dass sich auch feine Herzkanzgefäße stark verengern und damit den Blut und die Sauerstoffversorgung des Herzens verringern. Da die Gefäße von Frauen etwas kleiner und empfindlicher sind als die Männer, neigen sie eher zu Herzproblemen, die mit solchen Mikrospasmen, also Verkrampfungen, zusammenhängen. Frauen haben generell ein höheres Risiko für stressbedingte Erkrankungen als Männer. Klinische Untersuchungen zeigen, dass sich Frauen häufiger gestresst fühlen als Männer, obwohl sie eigentlich die viel bessere Stresstoleranz haben, was man zum Beispiel am Arbeitsplatz sieht. Frauen zwischen 18 und 64 leiden zu 13,9% unter chronischem Stress, während es bei Männern nur 8,2% sind. Frauen erkranken etwa doppelt so häufig an Depressionen und Angststörungen wie Männern. Auch sogenannte Burn-out-Diagnosen werden bei Frauen häufiger gestellt. Wenn etwa der Stresslevel am Arbeitsplatz und im Privatleben dauernd hoch ist, dann geht es mit einem deutlichen Anstieg der koronaren Herzkrankheit und der Schlaganfallhäufigkeit einher. Neunte Frage, kann die sogenannte Antibabypille den Blutdruck erhöhen? Ja, bei einem Drittel der Frauen, die mit der Pille verhüten, zeigt sich eine Erhöhung des systolischen, also oberen Blutdruckwerts im Vergleich zu Frauen ohne Pilteneinnahme. Es zeigt sich auch, dass sich die Funktion der kleinen und mittleren arteriellen Gefäße verschlechtert. Ursächlich könnte unter anderem eine verringerte Estradiol, also Östrogenkonzentration, dafür verantwortlich sein. Zehnte Frage, wie gefährlich ist Rauchen für Frauenärzen? Auch hier schlechte Nachrichten. Frauen sind eindeutig anfälliger für schädigende Einflüsse des Rauchens als Männer. Sie haben auch größere Schwierigkeiten beim Beenden dieser Sucht. Alle Studien zeigen, dass Raucherinnen ein um 25% höheres Risiko für eine koronare Herzkrankheit haben. Elfte Frage. Sind hohe Blutzuckerwerte besonders gefährlich für Frauenherzen? Männer haben generell ein höheres Risiko, an einer diabetischen Stoffwechselstörung zu erkranken. Bei Frauen mit Diabetes ist aber die Gefahr größer, eine koronare Herzkrankheit zu entwickeln. Überschüssige Glucose vermindert außerdem den östrogenbedingten Herzschutz. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, Frauen mit Diabetes kommen früher in die Wechseljahre. Ein frühes, das heißt vor dem 45. Lebensjahr oder ein verfrühtes Einsetzen der Menopause, also vor dem 40. Geburtstag, gilt ebenfalls als Risikofaktor für schwere Herzereignisse bei Frauen. Auch deshalb ist es für Frauen besonders wichtig, einmal im Jahr einen gründlichen Laborcheck machen zu lassen. Und falls sie schon Diabetes haben, diese Therapie immer der neuen Hormonlage anzupassen. Wenn es um Herzgesundheit geht, herrschen oft große Unsicherheit. Auch beim Besuch einer kardiologischen Praxis ist häufig leider nicht genug Zeit, um alle Fragen zu stellen. Daher möchte ich auch hier häufig gestellte Fragen rund ums Herz aufzeigen. Was ist Fakt? Was ist Irrtum? Schadet langes Fernsehen der Herzgesundheit? Ja, auch hier haben Frauen die schlechteren Karten. Langes Fernsehen ist besonders belastend fürs Frauenherz. Neben dem Stress beim Zusehen kommt es halt doch oft zu unvernünftigen Naschereien und auch vermehrten Alkoholkonsum. Das führt gemeinsam mit dem Bewegungsmangel zu einem höheren Gesundheitsrisiko. Zweite Frage, schützt Aspirin vor einem Herzinfarkt? Nun, hier gibt es sehr, sehr viele Missverständnisse. Aspirin oder Acetylsalicylsäure wirkt gegen eine Blutplättchenverklumpung. Das ist eine sehr wichtige Eigenschaft der Blutgerinnung, wo die sogenannten Thrombozyten im Falle einer Verletzung zu geldrollenförmigen Vernetzungen neigen und damit das erste Gitter für einen Wundverschluss bilden. Das heißt, in gewissem Sinne wirkt Aspirin daher Blutverdünnert. Es kann also der Entstehung von Gerinnseln vorbeugen. Deshalb hat man noch lange Zeit gedacht, dass die tägliche Einnahme von einem Aspirin sehr gescheit ist. Mittlerweile empfiehlt man das aber wegen der möglichen und doch oft auftretenden Nebenwirkungen nicht mehr. Das Risiko für eine innere Blutung steigt. Das Risiko für Magenschleimhaut, Darmentzündungen steigt. Natürlich, etwas ganz anderes liegt dann vor, wenn ein Patient eine Herzkranzgefäßaufdehnung hatte und einen Stent eingesetzt bekommen hat. Dann müssen diese Patienten zwingend Aspirin oder ein vergleichbares Präparat einnehmen, um die Herzgefäße von neuerlichen Verhängungen zu schützen. Hier überwiegt dann der Nutzen der Einnahme das mögliche Risiko. Müssen sich Menschen mit einer Herzschwäche schonen? Ganz eine interessante Frage. Als ich 1974 meine Ausbildung zum Kardiologen im AKH begonnen habe, riet man Patientinnen und Patienten mit einer Herzschwäche, sich zu schonen. Herzinfarktpatienten lagen wochenlang mucksmäuschenstill im Bett und durften nicht mal zum Urinieren aufstehen. Seit dem Jahr 1975 wissen wir aber, dass Menschen mit einer fortgeschrittenen Herzmuskelschwäche oder nach einem Herzinfarkt durch Bewegung rascher wieder gesund werden, ihre Leistungsfähigkeit um bis zu 25% verbessern können. Damit können sich auch die Krankenhausaufenthalte deutlich reduzieren. Allerdings sollen sich diese Patienten keinesfalls überfordern. Ideal sind daher Herzsportgruppen unter ärztlicher Betreuung. Wichtig ist ein regelmäßiges, pulskontrolliertes Ausdauertraining, dann ist sonst der positive Effekt sehr rasch wieder verpufft. Noch eine Frage, können ältere Menschen eher eine Herzschwäche entwickeln? Das ist richtig. Herzschwäche betrifft vor allem ältere Menschen. Aber auch junge Patienten können zum Beispiel nach einer nicht bemerkten, also still überstandenen Herzmuskelentzündung oder auch nach einem Herzinfarkt eine beträchtliche Herzschwäche entwickeln. Im Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, eine Herzschwäche zu bekommen. Bei den 75- bis 85-jährigen Männern erkranken jedes Jahr 20% daran, bei den 95% ist es bereits jeder zweite und bei den Frauen beginnt es bereits ab 70% mit einem wesentlich höheren Prozentsatz. Noch eine wichtige Frage, was nützt uns denn eine gesunde Ernährung? Für eine starke Herzgesundheit sind eine mediterrane Ernährung viel Gemüse, Obst, Fisch, Olivenöl, regelmäßige Bewegung, Verzicht aufs Rauchen, Stressabbau oder besseres Stressmanagement entscheidend. Diese Maßnahmen beugen Bluthochdruck, hohem Cholesterin und Übergewicht und somit den schon aufgezählten Hauptrisikofaktoren effektiv vor. Verrückte oder extreme Diätempfehlungen sind fürs Herz in keinster Weise wissenschaftlich haltbar. Also zum Beispiel diese einseitigen Diäten, wo man nur Kohlsuppe essen darf oder nur Eier oder nur Rohkost. Diese, die sogenannten Diäten, bergen fast immer ganz hohe Risiken. Besonders für Herzpatienten sind diese einseitigen Konzepte gar nicht empfehlenswert. Ja, und das möchte ich auch sagen dürfen, Nahrungsergänzungsmittelchen und anderer Hokus-Pokus sind nicht nur teuer, sondern sie helfen dem Herzen überhaupt nicht, gesund zu bleiben oder gesund zu werden. Noch eine Frage, braucht es Medikamente für die Herzgesundheit? Nun, das hängt natürlich ganz stark von der individuellen gesundheitlichen Situation ab. Ein gesundes Herz braucht sicherlich keine Medikamente. Bei bestehenden Herzerkrankungen oder hohen Risikofaktoren sind diese Therapien aber essentiell. Aber auch hier, ich betone es noch einmal, die Dosierung muss gendergerecht sein. Zum Schluss. Der Aktionstag Go Red for Women, oft unter dem Motto "Frauenherzen sschlagen anders", findet jährlich am 1. Freitag im Februar statt. Er sensibilisiert die Teilnehmer dafür, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache bei Frauen sind, dass oft andere Symptome als bei Männern vorliegen und dass geschlechterspezifische Medizin unbedingt erforderlich ist. Die Aktion stammt übrigens ursprünglich von der American Heart Association und wird international in Österreich eben durch GoRed.at durchgeführt. Noch einmal ein herzliches Danke an meine liebe Kollegin Frau Dr. Karin Hawlisch-Höfferl vom ZIM9 der Gruppenpraxis für Innere Medizin, Kardiologie, Angiologie, Gastroenterologie und Hepatologie im 9. Bezirk. Sie war auch heuer wieder eine der Hauptakteurinnen des Aktionstages Gesundheit beim Platz am Hof. Zum Schluss möchte ich noch sagen, die Fortschritte der modernen Herzmedizin sind enorm. Und sie tragen, wie internationale Studien zeigen, wie kein anderes Fach der modernen Medizin zu höherer Lebenserwartung und Lebensqualität bei. Also zögern Sie bitte nicht, bringen Sie Ihr Herz zu uns Kardiologen, damit alles gut wird. Danke fürs Zuhören und eine gesunde Zeit.