DOC on AIR - Erste Hilfe im Alltag

Notfallmedizin im Alltag

#74 - Neurodiversität

21.02.2026 29 min

Zusammenfassung & Show Notes

in meinem 74-sten Podcast möchte ich Euch das Thema „Neurodiversität“ – „die Vielfalt der Gehirnfunktionen“ näherbringen.
Beginnen will ich mit der Begriffserklärung- Wikipedia schreibt:
"Neurodiversität bedeutet wörtlich "neurologische Vielfalt" und beschreibt die natürliche Bandbreite menschlicher Gehirnfunktionen, die von der Norm abweichen.
Der Begriff steht für die Akzeptanz, dass neurologische Unterschiede wie kulturelle oder sexuelle Vielfalt natürliche menschliche Variationen sind.
Die Neurodiversitätsbewegung ist eine globale soziale Bewegung, die sich für die Menschenrechte von Neuro-Minderheiten im Sinne der Neurodiversität einsetzt.
Ich erkläre die Begriffe Autismus, ADHS, Dyskalkulie, Legasthenie, Dyspraxie, Synästhesie, das Tourette-Syndrom, die Hochbegabung und die bipolare Störung.
Mein Podcast Motto: „Wissen statt Angst, Können statt Zweifel, Zuhören hilft“ sowie Diagnostik und Therapieansätze können Ängste und Fehleinschätzungen verbessern.

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DOC-ON-AIR - Der Podcast für den Umgang mit medizinischen Notfällen im Alltag von Dr. Joachim Huber.

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#notfallmedizin #ersthilfe #teambuilding #alleswirdgut

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Transkript

Doc on Air Der Podcast, der Ihnen hilft, richtig erste Hilfe zu leisten. Was tun, wenn jemand Hilfe schreit? Was tun, wenn zu Hause was passiert? Als erfahrener Notarzt zeige ich Ihnen, wie es geht. Unser Ziel, Wissen statt Angst und Können statt Zweifel. Sehr geehrte Zuhörerinnen, liebe Zuhörer, in meinem 74. Podcast möchte ich euch das Thema Neurodiversität, die Vielfalt der Gehirnfunktionen etwas näher bringen. Beginnen will ich, wie immer, mit der Begriffserklärung. Wikipedia schreibt, Neurodiversität bedeutet wörtlich neurologische Vielfalt und beschreibt die natürliche Bandbreite menschlicher Gehirnfunktionen, die von der Norm abreichen. Der Begriff steht also für die Akzeptanz, dass neurologische Unterschiede wie kulturelle und sexuelle Vielfalt natürliche menschliche Variationen sind. Die Neurodiversitätsbewegung ist eine globale soziale Bewegung, die sich für die Menschenrechte von Neurominderheiten im Sinne der Neurodiversität einsetzt. Sie begann in den 1990er Jahren in den USA und in Europa Als Antwort auf die vorherrschende Einstufung neurologischer Unterschiede als Krankheiten. Die Wortprägung wird Judy Singer zugeschrieben, einer australischen Sozialwissenschaftlerin, die zu Autismus forscht und diese Begriffsbildung in Zusammenhang mit einem neuen neurologischen Selbstbewusstsein setzt. Basierend auf ihren persönlichen Erfahrungen mit Autismus in ihrer Familie verschob ihr Werk, das 1998 in ihrer Abschlussarbeit an der Universität of Technology in Sydney begann, den Fokus von einer defizitorientierten medizinischen Sichtweise hin zu einem Verständnis von Vielfalt und Inklusion zu führen. Sie wendet sich damit entschieden gegen eine Patholisierung von Neurominderheiten. Eine 2011 an der Syracuse University in New York zum Thema Neurodiversität gehaltene wissenschaftliche Konferenz bezeichnet neurobiologische Unterschiede als menschliche Veranlagung. Atypische neurologische Entwicklungen werden somit als natürliche menschliche Unterschiede eingeordnet. Angestrebt wird daher auch ein Wandel in den grundlegenden Annahmen, Denk- und Sichtweisen von Ärzten, Psychologen und natürlich auch von Betroffenen. Also weg von der Vorstellung, neurologische Unterschiede seien Krankheiten und hin zu einer Sichtweise, die diese Veränderungen als Teil der menschlichen Vielfalt betrachtet. Eine schwierige Aufgabe. Weitere wichtige Begriffe und Konzepte. Neurodivergenz. Der Begriff bezieht sich auf Personen, deren Gehirnfunktionen von der Mehrheit abweichen, zum Beispiel auf das noch einzugehende Autismus- oder ADHS-Problem. Neurotypisch bezieht sich auf Personen, der neurologischen Entwicklung der gesellschaftlichen Norm entspricht. Wobei die Definition, was ist gesellschaftliche Norm, viele Kongresse und viele Fachleute schon beschäftigt hat und auch für viel Kopfschmerzen gesorgt hat. Neurominderheit ist also ein Begriff für Menschen mit, wie schon erwähnt, Neurodivergentmerkmalen. Inklusion schafft ein Umfeld, das die Stärken und Perspektiven neurodivergenter Menschen anerkennt, unterstützt und Lösungen fördert, anstatt diese Veränderungen immer als Defizite zu sehen. Nun lassen Sie mich ein bisschen erklären, wer gehört denn zu diesen neurodivergenten Menschen? Mensch mit Autismus. Diese Entwicklungsstörung bezeichnet die Fähigkeit, Kommunikation und im sozialen Miteinander nur beeinträchtigt anwenden zu können. ADHS, ein Aufmerksamkeitsdefizit, eine Hyperaktivitätsstörung. Dys-Kalkulie, eine Rechenschwäche, ein beeinträchtigtes mathematisches Verständnis und reduzierte mathematische Fähigkeiten. Legasthenie, bei allen Menschen die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben. Dyspraxie, darunter versteht man, wenn jemand sich bei Planung und Ausführung von Bewegungsabläufen schwer tut. Synesthesie, ein Sinnesreiz löst automatisch einen anderen Sinnes-Eindruck aus. Das Tourette-Syndrom, das sind unwillkürlich wiederkehrende Bewegungen, also motorische Tics, aber auch Lautäußerungen, vokale Tics. Erstaunlicherweise gehört zu diesen Veränderungen auch die Hochbegabung, also eine überdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeit, meist definiert durch einen IQ von mehr als 130. Zum Schluss erwähne ich noch die bipolare Störung. Sie wird von den verschiedensten Gesellschaften auch unter dem Dach der Neurodiversität betrachtet. Wegen der extremen Stimmungsschwankungen zwischen manisch und depressiven Phasen, wir alle kennen den Begriff himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt, gehört diese Störung aber aus Sicht von uns Ärzten sehr klar zu den behandelbaren Krankheiten. Was kann man zur Diagnostik sagen? Die Diagnostik der Neurodiversität ist ein vielschichtiger Prozess, der einerseits neurobiologische Unterschiede erfasst, indem er standardisierte Interviews, Fragebögen, Verhaltensbeobachtungen oft auch mit Fremdanamnese von Eltern nutzt. Andererseits werden auch spezielle Tests, Herz-Kreislauf-Lungenfunktion, Laborbefunde, Ultraschalldiagnostik, Hör- und Sehtests, aber auch das sogenannte EEG, also die Hirnstromkurve, durchgeführt und erhoben. Einerseits um organische Ursachen auszuschließen und andererseits Stärken und Herausforderungen klar zu erkennen. Gelegentlich sind auch genetische Tests sinnvoll Vor allen Dingen immer dann, wenn die Frage im Raum steht, liegt hier eine familiäre Häufung vor, Ziel aller Maßnahmen ist es, Klarheit zu schaffen Individuelle Strategien zu entwickeln Wobei oft auch die medizinischen Diagnosen zur Unterstützung herangezogen werden. Die Kernaspekte der Diagnostik sind rasch erklärt. Ärzte und Psychologen verwenden neben den bereits erwähnten Interview- und Fragebögen auch immer eine klinische Abklärung, Untersuchung, Gespräch, genaue Beobachtung. Bekannte Beispiele für diese Fragebögen sind zum Beispiel der MCHAT-R, Autismus-Screening für Kleinkinder, der AQ-Test, Autismus-Spektrum-Quotient und viele andere mehr. Sie helfen Betroffenen und Fachleuten bei der Entscheidung für eine weiterführende Diagnostik. Besonders bei Erwachsenen sind diese Interviews und Fragebögen bzw. Die Scanning-Methoden oft Basis für die weitere Vorgangsweise. Ich habe es schon erwähnt, das Beobachten von Verhalten und Interaktionen ist sehr, sehr wichtig. Und dabei müssen natürlich immer die Angehörigen, sei es Eltern, sei es Familie, aber auch Freunde, Lehrer und Partner, besonders bei der Fremdanamnese einbezogen werden. Denn diese Gruppe beobachtet meistens, wenn man sie dann genau befragt, wesentlich vor dem Zeitpunkt klinischer Auffälligkeiten kleinere oder mittlere Veränderungen. Was gibt es für Therapieansätze? Ganz oben an oberster Stelle sind die unbedingt erforderlichen positiven Erfahrungen. Wünschenswert ist der Spaß und die Akzeptanz einer Individualität und natürlich immer im Vordergrund die Belohnung. Die früher gepflogenen Unsitten gesellschaftlicher Wünschte Verhaltensweise zu erzwingen, Die gelten besonders unter dem Aspekt der stattgehabten Bestrafungen heute als ganz klar überholt und als nicht zielführend. Dass sie trotzdem immer noch, besonders bei der ländlichen Bevölkerung, ich erwähne nur die sogenannte gesunde Watsche, nicht ganz beseitigt sind, soll uns anspornend sein, durch Aufklärung auch das aus dem Mittelalter stammende System abzuschaffen. Nun gehen wir auf einzelne Veränderungen und die Therapieansätze ein. Beim Autismus kommt es besonders auf individuelle frühkindliche Fördertherapien, wie zum Beispiel die Verhaltenstherapie an. Damit können soziale Fähigkeiten, Kommunikation und Alltagsbewältigungen deutlich verbessert werden. Auch hier unbedingt erforderlich die Einbeziehung der Eltern, um diese frühe Förderung tatsächlich auch durchführen zu können. Medikamente können, müssen nicht können, begleitende Symptome wie Schlafstörungen oder Angstzustände lindern. Geheilt wird der Autismus dadurch aber nicht, auch nicht durch irgendwelche mysteriösen pflanzlichen Produkte, mit denen uns das Internet heute überschwemmt. Immer mit dabei sollten natürlich auch beim Autismus Ergo- und Physiotherapie, Logopädie, Kunstmusik, Reiztherapie sowie viel, viel Liebe, Geduld und Zuwendung sein. Beim ADHS, also dem Problem der Hyperaktivitätsstörung, verwenden wir multimodale und kombinierte Psychotherapie, natürlich auch eine Psycho-Edukation und auch hier nur bei Bedarf Medikamente. Auch bei diesem Problem ergänzen Ergotherapie, Achtsamkeitstraining und Sport die Behandlung, um Symptome zu lindern. Bewältigungsstrategien sollten erlernt werden, wobei die Therapie natürlich je nach Alter angepasst werden muss. Die Dyskalkulie, also eine individuelle Problematik beim Umgang mit Zahlen- oder Rechenvorgängern, braucht eine gezielte Förderung durch spezialisierte Therapeuten, die die Grundkonzepte wie Zahlenverständnis intensiv trainieren. Hilfreich sind hier konkrete Materialien, wie zum Beispiel der berühmte Abacus. Ich musste auch zuerst mal kurz nachschauen. Abacus, das sind diese Gitter mit den kleinen Rechenkügelchen drauf, die man hin und her schiebt. Ich habe das selber noch erlebt, seinerzeit vor 35 Jahren in der damals noch UDSSR, wo also verschiedene Verkäufe damit genau berechnet wurden. Nun, diese konkreten Materialien umfassen natürlich auch Bauklötze, umfassen verschiedene Formen von Sand, bunte Steine, Zahlenwürfel, Wasserspiele. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Spielerisch soll hier ein neuropsychologisches Training zur Verbesserung von Gedächtnis und Konzentration erreicht werden. Klarerweise soll diese psychologische Unterstützung auch das Selbstvertrauen stärken und immer im Vordergrund Ängste abzubauen helfen. Elternberatung, Nachteilausgleich in der Schule, zum Beispiel Zeitzuschläge, aber auch Notenbefreiung sind ebenfalls wichtige Bestandteile, um Betroffene ganz herzlich zu unterstützen. Auch die Dyskalkulie ist nicht heilbar, aber durch konsequente Therapie signifikant besser beherrschbar. Nun zur Legasthenie, auch die ist nicht wirklich heilbar. Und auch hier die positive Nachricht. Durch gezielte Lärmtherapie, durch sehr aufwendige Lese- und Rechtschreibstrategien sowie Hilfsmittel und Nachteilsausgleich, auch hier mehr Zeit, spezielle Software, also Computer unterstützte Hilfe, lassen sich die Schwierigkeiten deutlich mindern. Die Behandlung basiert auch hier auf individuellen Übungen. Ich sage nur einige Buchstaben, Silberwörter erkennen oder selber zusammensetzen und aussprechen. Das Lesen ist ja ein großes Problem. Natürlich sollte das alles von Fachleuten durchgeführt werden, wobei klarerweise die Eltern immer wieder mit ihren aufwendigen Zeit- und Liebeszuwendungen das Ganze stärken können, die Motivation verstärken können. Und auch hier gibt es Hilfsmittel wie farbige Folien oder andere im Internet jederzeit nachzuschauende und erwerbliche Kleinigkeiten. Wichtig sind auch hier eine genaue Diagnostik. Besonders wichtig die Zusammenarbeit von Eltern, Schule und Therapeuten. Wenn hier eine entsprechende Dyspraxie ebenfalls vorliegt, also eine Störung mit den Bewegungsabläufen, dann braucht es sicherlich ganz spezielle, auch ergotherapeutische Maßnahmen. Auch das erfordert sehr, sehr viel Geduld und wird nicht von heute auf morgen besserbar sein. Lassen Sie uns nun noch ganz kurz einen Blick auf die sogenannte Synesthesie werfen. Die Synesthesie ist, wenn jemand Farben sehen kann und gleichzeitig Musik hört oder wenn bestimmte Geschmacksrichtungen mit Wörtern assoziiert werden. Auch hier gibt es keine Heilung, es ist ja auch keine Krankheit, sondern eine Wahrnehmungsstörung. Wenn die Symptome jedoch als belastend empfunden werden, was Gott sei Dank selten der Fall ist, dann kann man auch verschiedene Therapieansätze, Achtsamkeitscreening, manchmal sogar kann auch eine Hypnose helfen. Die Hypnose bringt übrigens in vielen dieser erwähnten Störungen sehr gute Ergebnisse. Lassen Sie mich noch ganz kurz auf das Tourette-Syndrom eingehen. Das sind jene unwillkürlich auftretenden, immer wiederkehrenden Bewegungen, also motorische Ticks und manchmal auch verschiedene Laute, Klicks und anderes. In Afrika gibt es Sprachen, die sind so aufgebaut, dass sie nur mit den Klicks eine entsprechende Betonung hervorrufen können. Bei leichteren Formen sind oft eine Aufklärung und Akzeptanz völlig ausreichend. Auch hier kann aber, wenn es belästigend wirkt, eine spezielle Verhaltenstherapie zur Dickbewältigung angewendet werden. Natürlich sind auch Kombinationen aus Psychoreduktion und Erziehung, also systematische, laienverständliche Schulung von Patienten und Angehörigen, erforderlich. Ganz selten müssen Medikamente wie Neuroleptika oder Dopaminantagonisten eingesetzt werden. Bei sehr schweren Fällen kann man auch eine tiefe Hirnstimulation, also einen sogenannten Hirnschrittmacher, erwägen. Das gehört aber mit Sicherheit in die Hände von ganz ausgezeichneten Spezialisten an diesbezüglich erfahrene Kliniken. Hochbegabung ist immer dann der Fall, wenn jemand besonders rasch und umfassend Dinge erkennt, ohne dass viel Lernpotenzial dahinter sein muss, was natürlich gerade im schulischen Alltag nicht immer unkompliziert ist. Die sogenannten Streber, wenn wir uns erinnern, das waren die, die immer gleich alles gewusst haben. Es gibt verschiedene umfassende Lernangebote, die ein gezieltes Coaching und eine psychotherapeutische Unterstützung bei diesem Perfektionismus anbieten. Identitätsprobleme sowie Schwierigkeiten samt dem ADHS-Autismus-Spektrum sind natürlich immer genau zu berücksichtigen und oft treten diese Formen eben gemischt auf. Auch hier ist eine ganzheitliche Förderung sehr, sehr wichtig und sollte möglichst frühzeitig eingesetzt werden. Ein kurzes Wort noch zur bipolaren Störung. Ich habe das schon erwähnt. Wir Ärzte glauben, dass das eine Erkrankung ist. Und zwar speziell deshalb, weil es bei bipolaren Störungen zu massiven Selbstgefährdungen kommt. Die Betroffenen beschreiben ihr Leben als Achterbahnfahrt zwischen extremen Hochphasen, der sogenannten Manie, mit Euphorie, Reizbarkeit, überhöhtem Antrieb, aber auch riskanten Verhalten und plötzlich einsetzenden Tiefphasen, Depressionen mit tiefster Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Energieverlust. Durch diese massiven Einschränkungen der Lebensqualität kommt es auch zu tiefer Trauer, Wertlosigkeit und letztlich auch zu Schuldgefühlen und Suizidgedanken. Die Behandlungsmöglichkeiten der depressiven wie manischen Phasen durch neue Medikamente hat sich deutlich verbessert. Entscheidend in der Therapie ist immer die Phasenprophylaxe, quasi als Schutzmittel oder Schutzmantel für die Seele dieser Patienten. Was kann man nun als Betroffener selbst gegen die Krankheit tun? Ganz wichtig ist es, die verordneten Medikamente auch regelmäßig einzunehmen. Das macht große Probleme, denn in der sogenannten mannischen, also der Hochphase, sieht man ja gar nicht ein, dass man ein Medikament braucht. Man fühlt sich ja gesund und super leistungsfähig. Das Absetzen ohne ärztliche Rücksprache kann aber massive Krankheitsschübe auslösen. Deshalb unbedingt auch als Angehörige dabei Acht geben, dass die Therapien eingenommen werden. Klarerweise können Sie selber auch andere unterstützende Möglichkeiten, wie zum Beispiel einen regelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus herbeiführen. Lichttherapie, Sportbewegungstherapie, Ergotherapie, Musiktherapie, aber auch Entspannungsmethoden sind auf jeden Fall sinnvoll und sollten auch wahrgenommen werden. Die Angehörigen müssen lernen, dass die Manie für die Betroffenen ein Gefühl der Hochphase bedeutet, also Himmelhoch jauchzend. Und oft müssen die Angehörigen diese Krankheitsphasen auch aussitzen, was mehrere Wochen dauern kann und die Beziehung massiv belastet. Kinder und Jugendliche leiden besonders darunter, wenn die betroffenen Mütter oder Väter in ihren Krankheitsphasen teilweise gar nicht mehr vorhanden sind. Vielleicht körperlich, aber eigentlich sind sie nicht anwesend. Also, auch Angehörige, achten Sie bitte darauf. Bipolare Störungen haben ein extrem erhöhtes Suizidrisiko. Die Warnsignale für diese Suizidgefährdung sind erkennbar, aber nicht leicht. Und man muss sie ernst nehmen und ja nie verniedlichen. Die betreffenden Personen befinden sich in dieser ganz schwierigen psychischen Phase in einer Krise. Sie sagen auch oft, ich bringe mich um oder ich will nicht mehr oder alles ist sinnlos, ich kann nicht mehr. Nehmen Sie das bitte ernst und suchen Sie Kontakt auch zu Ihrem Hausarzt auf, der Ihnen gerne weiterhilft. Achten Sie darauf, ob sich der Betroffene in Ihrer Familie immer mehr zurückzieht und Kontakte zu Freundinnen und Freunden abbricht. Ob er noch mit Ihnen oder anderen näher stehenden Menschen spricht. Ob er seine Hobbys noch durchführt oder ob ihm plötzlich nichts mehr interessiert. Ganz ein gefährliches Signal ist, wenn diese Menschen ihre Herzlichkeiten oder auch die Haustiere verschenken. Medikamente und Tabletten horten und wirklich kritisch und meiner Meinung nach auch meldepflichtig, wenn plötzlich eine Waffe oder etwas anderes Gefährliches im Haus herumliegt. Lassen Sie sich also bitte nicht abhalten, im Zweifelsfall Hilfe zu holen. Und denken Sie daran, es gibt auch Selbsthilfegruppen, speziell für Angehörige. Ich sage Ihnen eine Telefonnummer von Promente Wien, plus 43 1 513 1530 durch Wahl 333. Die Folgen einer unbehandelten bipolaren Störung sind nicht nur zerbrochene Beziehungen, verlorene Arbeitsplätze, abgebrochene Ausbildungen. Es kommen sehr oft auch Suchtprobleme dazu. Und ich erwähne es zum dritten Mal, das wirklich große Risiko der Eigengefährdung. 20 bis 25 Prozent der betroffenen Unternehmen zumindest einen Selbsttötungsversuch und 15 Prozent der kranken Menschen scheiden dadurch aus dem Leben. Hilfe finden Sie natürlich auch bei Fachärzten, Psychiatern, Psychotherapeuten, Kliniken. Der sozialpsychiatrische Notdienst unter der Nummer 43 13130 ist täglich 24 Stunden für Sie da. Andere Gesundheitshotline wie die Telefonseil-Sorge, der Gesundheitsnotruf, die Rettung mit 144, aber auch nochmal auf die Waffen zu kommen, die Polizei mit 133, sind gerne für Sie da. Und helfen ohne großen Aufwand. Ich danke Ihnen fürs Zuhören und wünsche allen Podcast-Fans eine gute Zeit mit vielen positiven Gedanken, Freude und Spaß am Leben. Alles Gute, Euer Joachim.