DOC on AIR - Erste Hilfe im Alltag

Notfallmedizin im Alltag

#72 - Psychische Gesundheit

24.01.2026 19 min

Zusammenfassung & Show Notes

In meinem 72-sten Podcast möchte ich Euch das Thema „mental health and wellbeing“ - also „Psychische Gesundheit und Wohlbefinden, oder Zustand des Wohlbefindens“ näherbringen.
Psychische Gesundheit ist ist ein Zustand des Wohlbefindens, in dem eine Person ihre ganzen Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und so auch die Gemeinschaft unterstützen kann. 
Somit sprechen wir von einer wesentliche Voraussetzung für Lebensqualität, Lebensbewältigung und ein soziales Miteinander.
Ich darf Euch - auch in dieser Folge - einige Zahlen und Fakten aber auch wesentliche Problemlösungen präsentieren.

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DOC-ON-AIR - Der Podcast für den Umgang mit medizinischen Notfällen im Alltag von Dr. Joachim Huber.

Weitere Informationen auf doc-on-air.com

Das Gesicht zur Stimme unter www.drjoachimhuber.at

Bei Fragen oder Hinweisen zur aktuellen Folge schreibt mir gerne ein Email unter podcast@doc-on-air-com

#notfallmedizin #ersthilfe #teambuilding #alleswirdgut

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Transkript

Doc on Air, der Podcast, der Ihnen hilft, richtig erste Hilfe zu leisten. Was tun, wenn jemand Hilfe schreibt? Was tun, wenn zu Hause was passiert? Als erfahrener Notarzt zeige ich Ihnen, wie es geht. Unser Ziel, Wissen statt Angst und Können statt Zweifel. Liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer, in meinem 72. Podcast möchte ich euch das Thema Mental Health and Wellbeing, also Zustand des Wohlbefindens oder psychische Gesundheit und Wohlbefinden, näher bringen. Beginnen will ich mit einer Meldung vom Deutschen Ärzteplatz von dem Dezember 2018. Die ökonomischen Kosten psychischer Erkrankungen belaufen sich für alle 28 Staaten der Europäischen Union derzeit auf rund 600 Milliarden Euro pro Jahr. Ein großer Teil dieser Kosten ist auf niedrigere Beschäftigungsquoten und eine geringere Produktivität von Menschen mit Problemen der psychischen Gesundheit zurückzuführen. Man schätzt ca. 260 Milliarden Euro. Auf höhere Ausgaben für Sozialversicherungsprogramme ebenfalls, also ca. 170 Milliarden Euro. Mit der Definition der WHO aus dem Jahr 2019, Mental Wellbeing ist psychische Gesundheit, wird ein Zustand des Wohlbefindens beschrieben, indem eine Person ihre eigenen Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen und produktiv arbeiten kann. Ebenso gehört dazu, dass man in der Lage ist, einen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten. Wie dieser Report aus dem Jahr 2019 weiter zeigt, leiden Deutsche im Vergleich etwas häufiger an psychischen Erkrankungen als andere Europäer. Insgesamt litten in der EU zur damaligen Zeit fast 60 Millionen Menschen. Heute sind es über 84 Millionen Menschen, die an psychischer Erkrankung leiden. Und die Dunkelziffern sind vermutlich wesentlich höher. Am häufigsten kommen laut neuesten Untersuchungen in Finnland und in den Niederlanden Patienten mit psychischer Defekt vor. Am seltensten in Rumänien, Bulgarien und in Polen, wobei, wie gesagt, dort wird die Dunkelziffer wohl eher groß sein. Die Österreicher beurteilen ihre psychische Gesundheit übrigens als ausgezeichnet und gut. Psychische Gesundheit umfasst aber nicht nur das Fehlen von Störungen, sondern betont auch positive Aspekte des Denkens, Fühlens und Verhaltens. Verschiedene Aspekte können diese Gesundheit stärken und fördern. Dazu gehört auch ein konstruktiver Umgang mit den eigenen Emotionen und eine ordentliche Portion Selbstakzeptanz, damit ein Individuum situationsadäquat auf verschiedene äußere Einflüsse reagieren kann. Gesundheit psychisch und physisch wird naturgemäß von verschiedenen Fakten beeinflusst. Genetische Veranlagung, familiäre Prägung und Lerneffekte schon in der Jugend, dann eine ordentliche Portion Lebenserfahrung, immer natürlich auch die persönlichen Lebensumstände und die Umweltbedingungen. Genauso wie man denn seine eigene Gesundheit pflegt, macht man vorbeugende Gesundheitsmaßnahmen. Ebenfalls wichtig ist die individuelle Widerstandskraft gegen krisenhafte Lebensumstände, Partnerschaft, Freundeskreis und ganz sicher auch ein Umgang mit den sozialen Medien. Übrigens, zwei Drittel der Menschen in Österreich und in der Bundesrepublik Deutschland bewerten auch ihre körperliche Gesundheit als besonders gut. Die Daten und Fakten einer großen Umfrage im September 2025 ergeben aber ein ganz anderes Bild. Die Zahl der Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen erreicht in Europa einen neuen Höchststand. Gleichzeitig beschäftigt das Thema mentale Gesundheit immer mehr Menschen. Auch in der Öffentlichkeit rückt das Thema zunehmend in den Fokus des allgemeinen Interesses. Insbesondere die jüngere Generation ist dem Thema gegenüber aufgeschlossen. Und die Jungen sprechen häufig offen über ihre mentale Gesundheit. Wie wir schon gesagt haben, psychische Gesundheitsprobleme sind weit verbreitet und stellen eine der häufigsten Ursachen von Leiden und von später folgenden Behinderungen bis hin zur Pflegegeldbedürftigkeit dar. Immer gehört natürlich zu den Risken auch die Gefahr einer sozialen Ungleichheit oder Gewalterfahrungen, oft auch ungelöste private oder berufliche Konflikte. Und von diesen Problemen sind fast alle Altersgruppen und sozialen Menschengruppen betroffen. Wir bemerken eine sprunghafte Zunahme von sogenannten Verzweiflungskrankheiten, dem englischen Disease of the Spare. Die anhaltende Prävalenz von Depressionen und Angststörungen unter jungen Menschen hat ebenfalls zugenommen. Große Sorgen machen uns Ärzten natürlich die Verbreiterung und die Häufung von Selbstschädigungen und Suizidgefährdung. Dazu gehören auch sicherlich pathologische Verhaltensmuster wie zu viel Rauchen, zu viel Alkohol, Drogenkonsum, aber natürlich auch das Suchtverhalten beim Umgang mit Medien. Ebenfalls unbefriedigend und problematisch sind unerfüllte Bedürfnisse von Menschen, die an Demenzkrankheiten oder Autismusstörungen leiden. Die Burnout-Fälle haben massiv zugenommen und über das Burnout berichte ich in meiner nächsten Folge von Doc On Air. Nur ein Drittel der depressionsbetroffenen Menschen erhält rechtzeitig eine nötige und vernünftige Versorgung. Die Wartezeiten für Therapieplätze für Jugendliche mit Depressionen sind nicht nur in Österreich lang und problematisch. Durchschnittlich dauert es mehrere Wochen bis Monate, da es an Kapazitäten mangelt, insbesondere bei Vertragspsychotherapeuten und Kinder- und Jugendpsychiatern. Dort sind die Wartezeiten auf einen Termin bis zu drei, vier Monate. Es ist zwar so, dass Jugendliche mit Depressionen in Österreich kostenlos Psychotherapie erhalten, aber, das berühmte Aber, dort wo keine Plätze sind, gibt es auch keine Therapie. Es stellt also nicht nur für junge Menschen eine große Belastung dar, Auch wenn immer wieder in den Medien irgendwelche Einrichtungen und private Anbieter kürzere Wege und geringere Kosten versprechen. Um nun diesen Defiziten in der psychischen Gesundheitsversorgung und das dazugehörige Leistungsangebot ordentlich zu bearbeiten, hatte WHO in Europa am 30. September 2020 ein neues Bündnis für psychische Gesundheit ins Leben gerufen. Ich höre Sie schon antworten, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, schon wieder Europa, die schlafen doch alle. Nun, ganz so ist das Gott sei Dank nicht. Dieses Bündnis, eine Vereinbarung, basiert auf Partnerschaften. Und diese Partnerschaften werden und machen bereits sehr viel Arbeit. Es werden Lücken in der psychischen Gesundheitsversorgung verbessert. Es sind führende Politiker aus allen Ländern, Fachkräfte, Mitglieder der Zivilgesellschaft, Vertreter internationaler Organisationen, Sachverständige, Ärzte, Psychologen, die zusammenarbeiten, um die psychische Gesundheit aus dem Schatten herauszuholen und zu einem zentralen politischen Thema zu machen. Ich weiß, es ist eine sehr große Herausforderung, aber unumgänglich wichtig. Nur ein Beispiel einer Aussage. Alar Karis, Präsident von Estland, erklärte bereits 2022 in einer Ansprache anlässlich der Eröffnung einer großen Tagung über psychische Gesundheit, die alte Normalität bestand darin, dass das Thema psychische Gesundheit immer unter den Teppich gekehrt wurde. In der neuen Normalität wird psychosoziales Wohlbefinden zu einem zentralen Prinzip in unseren Gesellschaften werden. Zu den zentralen Prioritäten dieses Bündnisses zählen also besonders die Umgestaltung der psychischen Gesundheitsversorgung und die Einbeziehung von psychischer Gesundheit in alle Maßnahmen, die man zur Bewältigung von Notlagen braucht. Ebenso gefördert werden die Wiedererreichung der psychischen Gesundheit. In Anbetracht von internationalen Krisen wie dem Russland-Ukraine-Krieg, dem Krieg zwischen Israel und der Hamas, den Machtansprüchen der USA, dem Klimaanwandel, der Inflation, den steigenden Preisen infolge wirtschaftlicher Herausforderungen steigt das Stresslevel und die Besorgnis bei allen Bevölkerungsschichten in ganz Europa. Obwohl die Gesamtschutzquote für Asylsuchende zwischen Jänner und Oktober 2025 in Europa bei ca. 25% lag, rund 70% der Anträge wurden ja abgelehnt, nahm auch die Sorge von Überforderungen des Staates durch Geflüchtete zu. Und ganz bestimmte, meist aufhetzende politische Organisationen tun ihr Wesentliches dazu, dass mit der Angst der Menschheit auch politisches Kapital herausgeschlagen werden kann. In vielen Fällen wird das Leid von Einzelpersonen ihrer Familien auch durch eine Stigmatisierung, durch eine Diskriminierung, aber oft auch durch Menschenrechtsverletzungen und soziale Ausgrenzung verstärkt. Was gibt es nun für Lösungen? Wie immer liegt der wichtigste Ansatz für eine psychische Gesundheit in der Familie. Füreinander mit Liebe und Geduld da sein, Zuwendung mit empathischem Zuhören und noch dabei realistisch sein sind Grundlagen für eine psychische Stabilität. Dass unser Gesundheitssystem auch in Zukunft ein besonderer Augenmerk auf die Schnittstelle zwischen Gesundheit, Sozial- und Gemeindeversorgung legen muss, ist wohl selbstverständlich. Gemeinsam sollten wir den ständigen Dialog über psychische Gesundheit und psychosoziale Unterstützung erleichtern, indem wir auch, wie ist eigentlich der christliche Glaube, aber auch bei den Muslims absolut üblich, bei den Juden selbstverständlich, sollten wir aufeinander schauen und nicht wegschauen. Nur so gelingt es uns, Prioritäten im Bereich der psychischen Gesundheit auszuführen. Natürlich gehört auch die Digitalisierung der psychischen Gesundheitsversorgung dazu. Eine Deinstitutionalisierung, also Entbürokratisierung der psychiatrischen Versorgung ist extrem wichtig. Zusammen zwischen Netzwerken des Gesundheits- und Sozialwesens nationaler und internationaler Handlungskonzepte müssen leistbare Pläne erreicht werden. Junge Menschen wünschen sich zudem mehr Flexibilität sowie gesellschaftliche Unterstützung, die ihre Lebensrealität erreicht. Etwa Rücksichtnahme auf Care-Arbeit oder Mitbestimmung in der Gestaltung ihrer Arbeitswelt. Wenn es aber wirklich zu eng wird, dann gibt es nur eine Lösung, nämlich zeitnahe ärztliche Hilfe und sämtliche psychologischen Versorgungsangebote prompt in Anspruch nehmen. Ich zitiere einige Helplines und Anlaufstellen. Für Kinder und Jugend in ganz Österreich die Nummer 147, Rad auf Draht. Anlaufstelle für Probleme, Fragen und Krisen in der Kindheit und bei Jugendlichen die Kids-Hotline 0800 234 123 Die Beratung ist anonym und kostenfrei. Die Frauenhelbleiben 0800 222 555 Und natürlich auch der Kinder-Notruf der Frauenhäuser 0800 567, übrigens rund um die Uhr täglich. Es gibt auch den Männer-Notruf ebenfalls von 0 bis 24 Uhr 0800 800 810. Nein, Herr Wehner möchte ich noch die Krisenintervention, die auch für Sie jederzeit zur Verfügung steht, in Wien die Nummer 01 406 9595 und last but not least die Ö3-Kummernummer. Ich wünsche Ihnen, meine lieben Podcast-Fans, eine gute Zeit mit vielen positiven Gedanken und bleiben Sie aktiv, bleiben Sie lästig, besprechen Sie Ihre Probleme und denken Sie, wir Ärzte sind für Sie da. Danke fürs Zuhören.