#68 - Prävention
29.11.2025 19 min
Zusammenfassung & Show Notes
"praevenire“ bedeutet auf Latein „zuvorkommen“ oder „überholen“.
Prävention bedeutet also Vorbeugung und meint Krankheitsvorbeugung bzw. Krankheitsverhütung.
Ein besonderes Ziel ist es, die Krankheitslast in der Bevölkerung durch gezielte Maßnahmen zu verringern.
Während die Gesundheitsförderung durch Stärkung und Pflege von Ressourcen alle der Gesundheit dienlichen Maßnahmen im Rahmen einer Gesellschaft umfasst, kann die Prävention Krankheits- Risiken vermeiden.
Damit verknüpft ist auch die Früherkennung von Gesundheitsstörungen und Krankheiten, somit der Erhalt von Lebensqualität..
Sie umfasst auch alle Maßnahmen, die darauf abzielen, das Auftreten von unerwünschten Ereignissen wie Krankheiten, Schäden oder Problemen zu verhindern, zu verzögern oder ihre negativen Auswirkungen zu verringern.
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DOC-ON-AIR - Der Podcast für den Umgang mit medizinischen Notfällen im Alltag von Dr. Joachim Huber.
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Bei Fragen oder Hinweisen zur aktuellen Folge schreibt mir gerne ein Email unter podcast@doc-on-air-com
#notfallmedizin #ersthilfe #teambuilding #alleswirdgut
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Transkript
Doc on Air Der Podcast, der Ihnen hilft, richtig erste Hilfe zu leisten.
Was tun, wenn jemand Hilfe schreibt? Was tun, wenn zu Hause was passiert?
Als erfahrener Notarzt zeige ich Ihnen, wie es geht.
Unser Ziel, Wissen statt Angst und Können statt Zweifel.
Sehr geehrte Damen und Herren, heute erzähle ich euch etwas über die Prävention
und stelle gleich die Frage, Mythos oder Realität?
Das Wort prevenire bedeutet auf Latein zuvorkommen oder überholen und im weitesten
Sinne vorbeugen und meint damit Krankheitsvorbeugung bzw.
Auch Krankheitsverhütung. Der besonderes Ziel es ist, die Krankheitslast in
der Bevölkerung durch gezielte Maßnahmen zu verringern.
Während die Gesundheitsförderung durch Stärkung und Pflege von Ressourcen alle
der gesundheitdienlichen Maßnahmen im Rahmen einer Gesellschaft umfasst,
kann die Prävention Krankheitsrisiken vermeiden.
Damit verknüpft ist auch die Früherkennung von Gesundheitsstörungen und Krankheiten.
Die Prävention umfasst auch alle Maßnahmen, die darauf abzielen,
das Auftreten von unerwünschten Ereignissen wie Gesundheitsstörungen,
Schäden oder Gesundheitsprobleme zu verhindern, zu verzögern oder ihre negativen
Auswirkungen zumindest etwas zu verringern.
Präventive Interventionsstrategien fokussieren zum einen auf das individuelle
Verhalten und zum anderen auf die Verhältnisse,
das heißt auf die gesundheitsrelevanten Lebensbedingungen wie beispielsweise Arbeitsbedingungen,
Nichtraucherschutzgesetz oder das Schaffen von Radwegen,
Freizeitgestaltung und vieles mehr.
Das Robert-Koch-Institut erhebt in den Studien des Gesundheitsmonitorings eigene
repräsentative Daten zur Prävention in Deutschland.
Dabei werden insbesondere Informationen zur Inanspruchnahme von Impfungen,
Maßnahmen zur Früherkennung oder
Verhaltensprävention sowie Maßnahmen zur Gesundheitskompetenz erhoben.
Ebenso werden Empfehlungen, die die Inanspruchnahme beeinflussen, z.B.
Soziodemografische Fakten wie Geschlecht, Alter, Sozialstatus,
Bildung oder Gesundheitseinstellung sowie Gesundheitsverhalten,
körperliche Aktivität oder auch Ernährung erarbeitet.
Allein durch eine gezielte Prävention könnten in Österreich und Deutschland jährlich ca.
11 Milliarden Euro im Gesundheitswesen eingespart werden.
Andere Schätzungen gehen sogar von einem Sparpotenzial von bis zu 120 Milliarden
aus, wenn breite Präventionskonzepte umgesetzt würden.
Nun nochmal, was ist Prävention? Wir unterscheiden zwischen Primär-,
Sekundär- und Tertiärprävention.
Primärprävention setzt an, noch bevor es zur Krankheit kommt.
Sekundärprävention soll das Fortschreiten von Krankheiten verhindern.
Sie greift also in bestehende Risikosituationen ein und versucht,
diese abzuwenden und die Krankheitsfolgen zu vermindern.
Die Tertiärprävention konzentriert sich bei bestehenden Krankheiten auf die
Wiederherstellung der Gesundheit.
Es soll auch eine Rehabilitation und das Vermeiden von Folgeschäden möglich werden.
Auch sie kann in verschiedenen Bereichen wie Medizin, Umwelt oder Wirtschaft angewendet werden.
Während Österreich im Vergleich mit anderen OECD-Ländern OECD-Länder sind Europa,
Nordamerika, Asien, Australien und Neuseeland
Während also Österreich im Vergleich zu
diesen Ländern bei der Pro-Kopf-Gesundheitsaufgabe sehr
weit vorne liegt liegen die Ausgaben für
Prävention weit unter dem Durchschnitt
Mit dem Finanzausgleich 2024 bis 2028 werden nun zumindest 60 Millionen Euro
jährlich für Programme zur Gesundheitsförderung und Vorsorge bereitgestellt.
Dieses Geld wird vom Bund, Ländern und Sozialversicherungen Drittel finanziert.
Prävention ist also sowohl Realität als auch Mythos.
Sie ist eine real existierende und wissenschaftlich belegte Möglichkeit zur
Krankheitsvermeidung.
Prävention hat natürlich auch das Ziel, Krankheiten nicht nur zu vermeiden,
sondern auch den Krankheitseintritt zu verzögern oder zumindest weniger Wahrscheinlichkeit zu machen,
indem Risikofaktoren verringert werden.
Ein akutes Beispiel sind die neuen Impfempfehlungen.
Eine Erweiterung der Herpes-Zoster-Impf-Empfehlung für Personen um die 18 Jahre, ab dem 18.
Lebensjahr mit erhöhtem Krankheitsrisiko.
Oder die frühzeitige Impfung gegen humane Papillomviren, also späterer Gebärmutter,
Anal, Mund oder Rachenkrebs.
Und viele andere Beispiele aus den standardisierten Impfprogrammen mehr.
Primärprävention richtet sich besonders an gesunde Menschen.
Und in dem Zusammenhang sehen wir schon den riesigen Bedarf,
da doch seit der Covid-Problematik immer
mehr Impfverweigerer in allen Bevölkerungsgruppen festzustellen sind.
Und ohne Impfung wird es wohl auch kein Vermeiden von bestimmten Krankheiten geben.
Die Sekundärprävention dagegen,
die sollte natürlich immer dann eintreten, wenn schon Krankheiten bestehen und
der Verlauf aufgehalten werden kann.
Insgesamt kann man sagen, dass präventive Maßnahmen wie gesunde Ernährung, Bewegung,
die richtige Art von Sport, aber natürlich auch ein gutes Stressmanagement,
das Risiko für viele Krankheiten senken.
Aber es gibt bei der Umsetzung schon gewaltige Herausforderungen,
zumal die Effektivität von übertriebenen oder unpassenden Maßnahmen begrenzt werden muss.
Nehmen wir noch ein Beispiel für
die Primärprävention, zum Beispiel die Fachstellen für Suchtprävention.
Diese sind in allen Bundesländern eingerichtet und spielen eine wichtige Rolle
bei der Umsetzung von Problemen mit Suchtkranken.
Auch hier wird leider Gottes im Moment gerade gewaltig gespart.
So will die Bundeshauptstadt Wien etliche Programme, die bereits süchtigen Menschen
auf dem Weg der Rehabilitation helfen,
rascher wieder gesund zu werden und in die Normalität des Lebens einzutauchen, eingespart.
Auch die österreichische Gesundheitskasse bietet zahlreiche kostenlose,
kostengünstige Programme für Gesundheitsförderung, hat aber auch in vielen Bereichen
der wirklichen Primär- und Sekundärprävention massive Mängel.
Wenn ich nur zum Beispiel an die Therapien bei uns Ärzten denke,
wo wir zuerst mal mit einem Patienten ausführlich ein therapeutisches Gespräch führen,
das wird nicht adäquat honoriert.
Daher wird es auch nicht adäquat umgesetzt.
Dass wir bemüht sein müssen, Primärversorgungseinheiten auszubauen,
das ist ja gar keine Frage.
Nur so werden wir die Gesundheitsversorgung längerfristig nachhaltig und effizient gestalten.
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel das Primärversorgungsgesetz
von 2017, wäre ja vorhanden.
Ob es auch umgesetzt wird?
Noch ein kleiner Seitenblick auf das Mythos.
Ein altgriechisches Wort, das meint laut Wort, Rede, Erzählung,
sagenhafte Geschichte oder im älteren Deutsch die Mär.
Es ist in seiner ursprünglichen Bedeutung eine Erzählung.
Mythen erheben einen Anspruch auf Geltung der von ihnen behaupteten Wahrheit.
In einem weiteren Sinn bezeichnet Mythos auch Personen, Dinge oder Ereignisse
von hoher symbolischer Bedeutung, aber auch einfach nur eine falsche Vorstellung
oder schlichtwegs eine Lüge.
Mein Podcast-Motto war und ist Wissen statt Angst, Können statt Zweifel.
Und mit diesem Motto möchte ich auch bei diesem heiklen Thema Prävention,
Mythos oder Realität ein bisschen Licht ins Dunkel bringen.
Das Hinterfragen von Gesundheitsmythen ist besonders wichtig,
um fundierte Entscheidungen über unser eigenes Leben, unseren Körper,
unser Wohlbefinden zu treffen.
Indem wir verschiedene Mythen entlarven, können wir uns auf wissenschaftlich
fundierte Ansätze konzentrieren, die unsere Gesundheit und Lebensqualität tatsächlich verbessern,
ohne uns nur das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Vorsorgen und Aufklären verhindert meist doch unnötige Geldausgaben und Enttäuschungen.
Daher einige besonders krasse Mythen über die Gesundheit, überzogene oder falsche
Vorstellungen, wie zum Beispiel falsch verbreitete Ansichten,
Vitaminwerbung, viele Vitamine helfen und machen gesund, oder Problemlösungen
bei Übergewicht, Falten im Gesicht oder andere Gesundheitstipps,
zum Beispiel Detox-Kuren würden helfen.
Es gibt nicht einen einzigen Nachweis dafür.
Sie helfen sicher dem, der sie verkauft. Ebenso hochdosiertes Vitamin C hilft
nicht nur gegen Erkältung.
Ein reines Mythos.
Faktum ist, Vitamin C ist wichtig für das Immunsystem.
Aber es gibt überhaupt keinen Beweis, dass höhere Dosen intravenös oder per
Mund zu sich genommen irgendeine Hilfestellung bringen.
Ein weiteres Mythos, 8 Gläser Wasser pro Tag sind ein Muss.
Oder Lesen bei schlechtem Licht ruiniert die Augen.
Knackende Gelenke verursachen Arthritis. Zucker macht Kinder hyperaktiv.
Alle Studien, die man auch nur national und international sich ja herausholen
kann aus dem Netz, zeigen, dass diese ganzen Behauptungen einfach schlicht und
ergreifend ein Humburg sind.
Auch wenn man uns einredet, Nächtliches Essen mache dick und man müsse jeden Tag Stuhlgang haben.
Das ist einfach nicht wahr. Und dass die Mikrowelle Nährstoffe,
wichtige in Lebensmitteln, kaputt macht und tötet, ist ein völliger Unsinn.
Noch ein sehr interessanter Mythos. Wir verwenden doch nur 10% unseres Gehirns.
Fakt ist, wir nutzen nahezu unser gesamtes Gehirn, auch wenn natürlich nicht
alle Bereiche gleichzeitig aktiv sind.
Wenn Ihnen jemand einredet, Sie müssten im Alter weniger oder mehr schlafen
und Sie müssten dazu ganz bestimmte, meist in der Apotheke erwerbbare,
sehr teure Spezialmittelchen,
Nahrungsergänzungsmittel einnehmen,
glauben Sie es einfach nicht.
Der Schlafbedarf bleibt im Alter weitgehend gleich.
Die Schlafmuster können sich ändern und Sie selber können sehr viel dazu beitragen,
indem Sie zum Beispiel am Abend nicht fernsehen oder indem Sie keine schweren
Mahlzeiten zu sich nehmen.
Auch die alte Regel, man soll doch nach 16 Uhr nicht mehr viele Obstsorten essen,
weil das vielleicht beim Verdauen stört, ist alles richtig. Ja,
und Schlafmangel lässt sich nicht nachholen.
Also nicht so einfach.
Viele Jahre hatten wir das große Problem, dass sogenannte Gesundheitsapostel,
meist selbsternannte, ohne entsprechendes Studium,
behauptet haben, vom Handy bekomme man Gehirnkrebs und die Sendemasten würden
die kleinen Kinder und Babys krank machen.
Ein völliger Unsinn dient nur dem Geschäft mit der Angst der Menschheit.
Auch die Behauptung, vegetarische oder vegane Ernährung führe mit Sicherheit
zu schwerem Nährstoffmangel ist einfach nicht richtig.
Wenn diese Menschen, die diese Ernährung bevorzugen, es richtig planen und natürlich
auch entsprechende Ernährungsweisen anpassen, ist gar nichts passiert.
Noch eins für die Begeisterten, Schwimmer, man soll nach dem Essen nicht schwimmen.
Es gibt überhaupt kein erhöhtes Risiko, keine Studien, dass wenn man nach dem
Essen schwimmen geht, irgendwas passiert.
Dass es nicht gerade gesund ist, wenn man in ein eiskaltes Wasser mit einem
riesenvollen Bauch hineinhüpft, das ist aber wirklich jetzt nicht mehr weiter zu ergänzen.
Also, wenn wir alle diese Mythen, die an uns herangetragen werden,
kritisch sehen, dann sind wir wieder in einer guten Prävention.
Prävention ist kein Mythos.
Sie ist ein wissenschaftlich fundierter Ansatz, um Krankheiten, Ängste zu vermindern.
Zumindest aber in meisten Fällen auch zu verhindern.
Sie unterstützt auch gesunde Menschen, Risikofaktoren zu reduzieren und gesundheitsfördernde
Maßnahmen und Alltagsstrukturen einzuhalten.
Die Arbeitsunfallprävention hat uns das wirklich eindrücklich bewiesen,
wie wertvoll das sein kann und wie man durch diese Prävention Kosten senkt,
Betriebsabläufe verbessern kann und letztlich den Menschen Lebensqualität bringt.
Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Tag und bedanke mich fürs Zuhören.