#48 - Inter, Trans, Divers
08.03.2025 21 min
Zusammenfassung & Show Notes
Was bedeutet das eigentlich? "DEI" steht für "Diversity, Equity and Inclusion", zu Deutsch: Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion. DEI-Maßnahmen haben bisher auch in den USA dafür gesorgt, dass Menschen verschiedener Herkunft, verschiedenen Geschlechts oder mit Behinderungen gleiche Chancen am Arbeitsplatz bekommen. Diese Podcast Folge soll auch dazu beitragen, dass trans- und intergeschlechtlichen Menschen von entsprechend sensibilisierten medizinischen, therapeutischen und psychosozialen Berufsgruppen ernst genommen werden. Wir Alle können auf Augenhöhe und respektvoll persönlicher Vorurteile abbauen.
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DOC-ON-AIR - Der Podcast für den Umgang mit medizinischen Notfällen im Alltag von Dr. Joachim Huber.
Weitere Informationen auf doc-on-air.com
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Das Gesicht zur Stimme unter www.drjoachimhuber.at
Bei Fragen oder Hinweisen zur aktuellen Folge schreibt mir gerne ein Email unter podcast@doc-on-air-com
#notfallmedizin #ersthilfe #teambuilding #alleswirdgut
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Transkript
Music.
Doc on Air, der Podcast, der Ihnen hilft, richtig erste Hilfe zu leisten.
Was tun, wenn jemand Hilfe schreit? Was tun, wenn zu Hause was passiert?
Als erfahrener Notarzt zeige ich Ihnen, wie es geht.
Unser Ziel, Wissen statt Angst und Können statt Zweifel.
Grüß Gott, meine sehr geehrten Damen und Herren. Ich freue mich,
Ihnen heute ein sehr spannendes Thema präsentieren zu dürfen.
Die Frage, was bedeutet eigentlich Inter-Trans-Diversity, ist nicht leicht zu beantworten.
Wie Sie sicher wissen, werden überall auf der Welt Menschen dafür angegriffen,
weil sie anders aussehen,
sich anders kleiden und letztlich oft auch nur deshalb, weil sie anders sind.
Der Hintergrund für viele Diskriminierungen ist aber häufig auch die sexuelle
Orientierung verschiedener Menschen. Am 25.
Jänner 2025 ging ein Aufschrei durch fast alle Medien.
Der neue US-Präsident Donald Trump schafft die Programme für Vielfalt,
Gleichberechtigung und Inklusion einfach ab.
Die US-Regierung von Donald Trump hat die Bundesbehörden angewiesen,
flächendeckend alle Büros und Stellen für Diversität und Inklusion binnen 60 Tagen zu schließen,
sowie das gesetzlich zulässig ist.
Bereits am 22. Jänner dieses Jahres hatte die Regierung die DEI-Beauftragten
bei US-Bundesbehörden im bezahlten Urlaub geschickt,
bevor ihre Stellen abgeschafft werden sollen.
DEI steht für Diversity, Equity und Inclusion.
Zu Deutsch Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion.
DEI-Maßnahmen haben bisher dafür gesorgt, dass etwa Menschen verschiedener Herkunft
oder verschiedenen Geschlechts, aber auch Menschen mit Behinderungen,
gleiche Chancen am Arbeitsplatz bekommen.
Aus Trumps republikanischer Partei kommt seit Jahren heftige Kritik an solchen Initiativen.
Die Trump-Regierung spricht in dem Zusammenhang von diskriminierend und illegaler Bevorzugung,
die angeblich einen Verstoß gegen die US-Bürgerrechte darstellen könnten.
Diese DEI-Programme seien zudem eine Verschwendung von Steuergeldern.
Es solle wieder eine strikt leistungsbezogene Einstellungspraxis angewendet werden.
Zuletzt hatten bereits verschiedene US-Konzerne Maßnahmen für Chancengleichheit
und Diversität zurückgefahren,
darunter etwa, ja, ob Sie es glauben oder nicht, auch der Facebook-Konzern und McDonalds.
Bereits seit vielen Jahren erleben sowohl Inter- als auch Transmenschen aufgrund
ihrer Abwechslungen von üblichen Normalitätsvorstellungen schwere Nachteile und Misshandlungen,
auch natürlich Verfolgung,
Berufsverbot und Gefängnis.
Unzählige Menschen auf der Welt werden allein dafür angegriffen,
weil sie andere Menschen lieben,
wie sie sich kleiden und letztlich, ich habe es schon erwähnt,
einfach nur deshalb, weil sie ein bisschen anders sind.
Das geht von Beschimpfungen und Mobbing bis hin zur Verweigerung einer angemessenen
medizinischen Versorgung.
Diese Aggressionen sind gar nicht so selten lebensbedrohlich.
So wurden LGBTQIA - Ja, ein furchtbares Wort, ich weiß - Personen auf der Straße belästigt,
verprügelt und in manchen Ländern sogar getötet.
Der aktuelle Bericht der Transmurder Monitor Projects vom November 2024 berichtet,
dass im Zeitraum Oktober bis September 2024 weltweit 350 Transpersonen getötet wurden.
Die meisten waren schwarzhäutig und Frauen.
Allein in Deutschland wurden 2023 mehr als 1700 Straftaten, wie zum Beispiel Beleidigungen,
Gewalttaten, Verhetzung, Nötigung und Bedrohung registriert.
Das Bundesministerium für Inneres und das Bundeskanzleramt stellen immer wieder fest,
dass sich die Zahl der Straftaten im Bereich sexuelle Orientierung und geschlechtsbezogene
Diversität seit 2010 nahezu jährlich verdoppelt.
Nun, wir haben mit so vielen Begriffen jetzt herumgeschleudert,
da möchte ich jetzt ein bisschen diese Begriffe beleuchten.
Geschlechtervielfalt bedeutet, dass es nicht nur Frau und Mann gibt,
sondern dass die Realität über zweiteilige binäre Normvorstellungen von Körpern
und Identitäten weit hinausgeht.
Dass die berühmte Abkürzung LGBTQIA eigentlich Lesbien, Gays,
Bisexuell, Transsexuell, Queer, Intersexuell und Asexuell bedeutet,
ist den meisten nicht in der vollen Intensität bekannt.
Das Plus hinter dieser Abkürzung dient übrigens als Platzhalter für mögliche
weitere Geschlechtsidentitäten.
Diese Unterscheidung wird nun aufgrund einerseits der sexuellen Orientierung,
zu wem fühlst du dich denn hingezogen, Der Geschlechtsidentität,
wie definierst du dich selbst,
unabhängig von deinem biologischen Geschlecht,
also English Gender, erfolgt.
Selbstverständlich kann dies auch der persönliche Geschlechtsausdruck,
wie du dein Geschlecht durch Kleidung,
Haare oder Make-up zeigst oder den persönlichen Geschlechtsmerkmalen wie zum
Beispiel den Genitalien,
aber auch den Fortpflanzungsorganen im Körper,
dem Hormonspiegel oder der Chromosomendetermination geschehen.
Trans meint transsexuell und beschreibt Menschen, die sich nicht geschlechtlich
verorten oder nicht nur mit dem Geschlecht identifizieren, das sie seit ihrer Geburt haben.
Inter meint Intersexualität, also ein Leben zwischen den Geschlechtern.
Während sich Intergeschlechtlichkeit vor allem auf das Vorhandensein von nicht
eindeutig männlichen oder weiblichen körperlichen Geschlechtsmerkmalen bezieht,
leiten Transgender-Personen vor
allem unter der Einengung des ihnen zugeschriebenen sozialen Geschlechts.
Eine Abgrenzung zwischen Trans- und Intergeschlechtlichkeit ist brüchig,
auch weil eine eindeutig physiologische Grenzziehung zwischen den Geschlechtern
wissenschaftlich nicht unbedingt immer einfach oder gar möglich ist.
Die Bezeichnung Intersexualität wurde bereits 1915 vom deutschen Biologen und
Genetiker Richard Baruch Goldschmidt geprägt.
In den USA, aber auch in weiteren Ländern schlossen sich Intergeschlechtlichkeit
und Geschlechtlichkeitsidentitätsstörung,
welche hier bereits 1994 mit der Diagnose Transsexualität abgelöst wurde, gegenseitig aus.
Das wurde auch damit begründet, dass die Stigmatisierung intergeschlechtlicher
Menschen durch die Zuschreibung einer psychischen Störung unbedingt zu vermeiden sei.
In den aktuellen medizinischen Leitlinien der deutschen wissenschaftlichen medizinischen
Fachgesellschaften, das sind 184,
wird nur noch der Begriff Varianten der Geschlechtsentwicklung verwendet,
da der Begriff Thysrodes, also Störung,
doch eine beträchtliche Pathologie, also eine Krankheit impliziert.
Die meisten europäischen Gesetze zum Schutz von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung
verwenden ebenfalls nur noch den Begriff Varianten.
Wikipedia schreibt, Intergeschlechtlichkeit oder Intersexualität bezeichnet
die biologische Besonderheit von Menschen,
deren körperliche Geschlechtsmerkmale nicht eindeutig als weiblich oder männlich einzuordnen sind.
Es ist leider so.
Intergeschlechtliche bzw. intersexuelle Menschen werden auch heute noch wegen
dieser Abweichungen sehr oft pathologisiert, obwohl sie ja gesund sind.
Oft werden bereits bei Kindern genitalverändernde Operationen vorgenommen,
um sie diesen Normen anzupassen.
Die Kinder erleben häufig Diskriminierung, weshalb viele ihre Intergeschlechtlichkeit bzw.
Intersexualität verstecken. Wenn wir nun überlegen, welche Größenordnungen haben wir hier?
Nun, die Schätzungen bzw. Größenordnungen schwanken zwischen einem Fall bei
5000 Eingeborenen bis hin zu einem Fall pro 1200 Geburten.
Die Vereinten Nationen geben an, dass bis zu 1,7% der Bevölkerung mit intergeschlechtlichen
Merkmalen zur Welt kommen.
Nun, das sind alles Zahlen, die wir nicht wirklich realisieren.
Aber denken Sie daran, allein in Österreich sind ca.
1000 Menschen betroffen. Und in Deutschland und der Schweiz schätzt man die
Gesamtzahl transsexueller Menschen auf rund 500.000.
Wohin liegt nun der Unterschied? Manche Menschen sehen eindeutig weiblich aus,
oft schön wie Models und haben doch weder Gebärmutter noch Eierstöcke.
Anderen Mädchen wächst in der Pubertät ein Penis.
Bei Jungen hat das Geschlechtsteil mitunter eine so ungewöhnliche Form,
dass voreilige Mediziner empfehlen,
daraus eine Scheide zu konstruieren und das Kind als Mädchen aufwachsen zu lassen.
Da unsere Gesellschaft noch kein drittes Geschlecht zulässt,
treffen Eltern und Chirurgen oft frühzeitig eine Entscheidung.
War da ein Schluss aber falsch, dann kann das für die Betroffenen große persönliche Dramen verursachen.
Ich selbst habe als niedergelassener Kasseninternist und Kardiologe viele Intersexuelle kennengelernt,
die von ihrem Leben, ihren Kämpfen, Konflikten und dem wachsenden Selbstbewusstsein
der Intersexbewegung berichteten.
Einige von diesen Menschen waren bei mir wegen unklaren Herzschmerzen,
andere wegen einer OP-Freigabe für einen großen geschlechtsumwandelnden Operationseingriff.
Die meisten dieser Patienten redeten zum ersten Mal über ihre Sorgen und Probleme
bei diesem Tabubereich.
Meistens verschweigen sie allfällige körperliche Variationen.
Und wir alle wissen, so manche sogenannte ärztliche Untersuchung begrenzt sich
auf ein bisschen Hinschauen und Abhören.
Eine genaue Untersuchung am entkleideten Menschen findet nur selten statt.
Nun, was können wir tun?
Das Wichtigste ist mit Sicherheit zuhören.
Diese Menschen ernst nehmen und alle Betroffenen mit Respekt behandeln.
Ebenso wichtig ist es, ganz energisch gegen alle Anzüglichkeiten und die meist
auch politisch gefährden Ansagen vorzugehen.
Also, wir müssen es erreichen, dass diese Menschen eine gesellschaftliche Akzeptanz bekommen.
Ebenso wie wir das ja für uns selbst in Anspruch nehmen.
Wenn nämlich die Vielfalt von Geschlechtsidentitäten gesellschaftlich akzeptiert wird,
dann wird auch die psychische Belastung und Diskriminierung der Betroffenen entschärft.
Klarerweise spielen auch hier Aufklärung und Inklusion im nahen persönlichen,
aber auch im gesamten gesellschaftlichen Umfeld eine wichtige Rolle.
Laut Bioethikkommission stehen Medizin und Gesellschaft daher bei der Trans-
und Intergeschlechtlichkeit vor der Herausforderung, traditionelle Krankmacherei zu hinterfragen,
ein Recht auf Individualität anzuerkennen und die subjektive Selbsteinschätzung
der Betroffenen ernst zu nehmen.
Die rechtliche Anerkennung wäre ja eigentlich ganz klar definiert.
Sogar das Personenstandsgesetz aus 2013 hat eine Geschlechtseintragung vorgesehen.
Diese kann auch jederzeit korrigiert werden, wenn sich das bisherige als falsch
oder unrichtig herausstellt.
In Österreich gibt es seit Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes 2018 auch
einen Erlass des Innenministeriums,
die zusätzliche Eintragungsmöglichkeit inter.
Divers, offen oder die Streichung des Geschlechtseintrages erwirken zu können.
Im Reisepass wird, nur so zu Ihrer
Information, ein alternativer Eintrag ausschließlich als X eingetragen.
Natürlich ist hier auch noch die Herausforderung in der Gesundheitsversorgung im Vordergrund.
Denn diese ist besonders bei trans- und intergeschlechtlichen Menschen oft mit Tabus verbunden.
Und es muss gelingen, auch hier für die Betroffenen eine empathische,
lösungsorientierte Herangehensweise mit entsprechend sensibilisierten Fachleuten zu erreichen.
Klar brauchen diese Menschen oft auch eine Selbsthilfe bzw.
eine Peerberatung sowie verschiedene Therapieangebote auf Augenhöhe.
Noch ein Tipp für alle, die ein bisschen mehr wissen möchten.
Wenden Sie sich bitte an den Verein Intergeschlechtlicher Mensch in 4020 Linz.
Das E-Mail ist info@fimoe.at. die Telefonnummer plus 43 732 787 00 200.
Alternativ dazu können Sie sich auch an Amnesty International Austria wenden im 16.
Bezirk in Wien. Auch hier eine E-Mail-Adresse office@amnesty.at.
Ich wünsche Ihnen, falls Sie Betroffener sind, wirklich von Herzen Gottes Segen und alles Gute.
Bleiben Sie tapfer und bleiben Sie auch lästig.
Wenn Sie nicht betroffen sind, dann fühlen Sie sich bitte betroffen und helfen
Sie, dass dieses Thema in Zukunft kein Thema mehr ist.
Danke für Ihr Zuhören, Ihr Joachim Huber.
Music.